Investoren-Umfrage Europas Profi-Anleger setzen auf Tech-Aktien

Apple-Chef Tim Cook bei der Vorstellung des neuen smarten Lautsprechers HomePod auf der Worldwide Developer Conference am 5. Juni im kalifornischen San Jose. Mit dem HomePod sollen Nutzer nicht nur Musik hören können, sondern sich auch von der Apple-Assistentin Siri Fragen beantworten lassen. | © Getty Images

Apple-Chef Tim Cook bei der Vorstellung des neuen smarten Lautsprechers HomePod auf der Worldwide Developer Conference am 5. Juni im kalifornischen San Jose. Mit dem HomePod sollen Nutzer nicht nur Musik hören können, sondern sich auch von der Apple-Assistentin Siri Fragen beantworten lassen. Foto: Getty Images

Hyun Ho Sohn, Fidelity

Weltweiter Ausverkauf bei Technologieaktien zum Beginn der neuen Börsenwoche: Nachdem zuvor schon der Nasdaq-Composite- Index und der MSCI-World-IT-Index abgerutscht waren, gab der Technologiewerteindex des Stoxx Europe 600 mit 3,6 Prozent am stärksten unter allen Sektorindizes nach, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg. Demnach haben die Technologiewerte allerdings einen Teil ihrer Verluste wieder aufgeholt.

„Korrektur war überfällig“

„Eine Korrektur war meines Erachtens überfällig“, kommentiert Hyun Ho Sohn den jüngsten Einbruch des technologielastigen US-Aktienindex Nasdaq Composite Index, der bereits am Freitag seinen Anfang fand. Doch: „Viele langfristige Faktoren sorgen indes für einen unverändert starken Ausblick für Technologieunternehmen“, so der Fondsmanager des 2,3 Milliarden Euro schweren Fidelity Global Technology Fund weiter. 

„An US Technologieaktien führt (fast) kein Weg vorbei“, erklärt auch Cédric Spahr. „Die Bewertungen der Top 5 US Technologieaktien sind zurzeit etwas hoch, spiegeln jedoch gleichzeitig ein überdurchschnittlich hohes Wachstumspotenzial wieder“, so der Aktienmarktstratege bei der Bank J. Safra Sarasin weiter. Eine Korrekturphase im Sommer würde dem Segment gut tun und den langfristigen Opportunitäten dieser Aktien nicht schaden. 

„Langfristig attraktive Renditen“

„Marktführer, die digitale Geschäftsmodelle anwenden, dürften langfristig als Börsenanlage attraktive Renditen abwerfen“, so Spahr weiter. Konkret nennt er die US-Titel Alphabet, Facebook, Amazon, Apple und Microsoft: „Sie versprechen strukturelles Wachstum in einem Konjunkturumfeld, das unverändert von niedriger Inflation gekennzeichnet wird. Solche Unternehmen treiben die Digitalisierung des Dienstleistungssektors energisch voran.“ 

Die fünf größten US Technologieunternehmen trugen von Januar bis Mai dieses Jahres 38 Prozent des gesamten Wertzuwachses im US-amerikanischen Leitindex S&P 500 bei, erläutert Aktienmarktexperte Spahr weiter. „Die kombinierten Informationstechnologie- und Gesundheitssektoren waren für 75 Prozent des Zuwachses an Marktwert im S&P 500 verantwortlich.“

„Digitale Geschäftsmodelle“

„Dies ändert aber nichts am langfristigen Erfolgspotenzial digitaler Geschäftsmodelle, die den Kern solcher Unternehmen ausmachen“, sagt Spahr. Diese sähen wie folgt aus:

  • „Eintrittsbarrieren: Es ist schwierig, Marktführer wie Amazon oder Facebook herauszufordern, sobald sie eine starke Marke besitzen, über ausreichend Wachstumskapital verfügen und von Netzwerkeffekten profitieren.“
  • „Ein weitgehend digitales Produktangebot vermindert marginale Produktionskosten; heißt konkret, dass sich schnelles Umsatzwachstum überproportional stark in Gewinn niederschlägt.“
  • „Schneeballeffekte: Kapitalstarke Technologieunternehmen verfügen über genug Fachwissen und Ressourcen, um in neue Produktideen zu expandieren, wie zum Beispiel Alphabet in selbstfahrende Autos.“

Europas Manager optimistisch

Besonders optimistisch gegenüber den vor allem aus den Vereinigten Staaten stammenden Technologietiteln sind die Asset Manager in Europa, bei denen sie so beliebt wie zuletzt im Jahr 2007 sind: In ihren Aktienportfolios gewichten sie derzeit zu 39 Prozent die Tech-Branche über. Das geht aus der aktuellen BofA Merrill Lynch Global Fund Manager Survey hervor, an der Anfang Juni auch 36 europäische Fondsmanager teilnahmen, die ein Vermögen von insgesamt 75 Milliarden US-Dollar verwalten.