Ist Digitalisierung Fluch oder Segen für Makler? MLP-Vorstand „Wir werden alle ein bisschen Fintech sein müssen“

Vorstandsvorsitzender der Ideal-Versicherungsgruppe Rainer Jacobus, MLP-Vorstandsmitglied Manfred Bauer, Vorstand der Haftpflichtkasse Darmstadt Roland Roider und Vorstand Informationstechnik bei der Charta Börse für Versicherungen Michael Franke (v. li.) auf der DKM | © Svetlana Kerschner

Vorstandsvorsitzender der Ideal-Versicherungsgruppe Rainer Jacobus, MLP-Vorstandsmitglied Manfred Bauer, Vorstand der Haftpflichtkasse Darmstadt Roland Roider und Vorstand Informationstechnik bei der Charta Börse für Versicherungen Michael Franke (v. li.) auf der DKM Foto: Svetlana Kerschner

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Für Rainer Jacobus sind Fintechs keine Bedrohung der klassischen Versicherungsmakler. „Es gibt noch keinen Insurtech, das auch nur in die Nähe des Break-Even-Points gekommen wäre“, erklärt der Vorstandsvorsitzende der Ideal-Versicherungsgruppe in einer Diskussionsrunde auf der DKM. Denn die Geschäftsprozesse der digitalen Start-ups überzeugen nicht. „Wir haben sackweise Widerrufe von Kunden bekommen, die nicht wussten, welche Versicherungen sie mittels Versicherungs-Apps eingekauft haben“.

Außerdem würden Fintechs sehr wenig Neugeschäft generieren, sagt Jacobus. Dieses sei aber für unabdingbar für nachhaltigen Geschäftserfolg.

„Wir haben keinen Grund, wie Kaninchen auf die Schlange auf Fintechs zu starren“

Auch MLP-Vorstandsmitglied Manfred Bauer zeigt sich skeptisch. „Wir haben keinen Grund, wie Kaninchen auf die Schlange auf Fintechs zu starren“, sagt er. Andererseits warnt Bauer jedoch davor, die digitalen Wettbewerber zu unterschätzen. Die klassischen Makler sollten ihre Lehren aus der Fintech-Konkurrenz ziehen und ihre Geschäftsmodelle modernisieren, schlägt Bauer vor. Außerdem müssten sie die Rückmeldungen der Kunden ernst nehmen und ihre Service-Angebote stärker an die Kundenbedürfnisse anpassen.

Es gebe kaum mehr Kunden, die ihre Verträge nur persönlich oder nur online abschließen und verwalten wollen, so Bauer weiter. Die Entscheidung, auf welchem Weg der Kunde den Kontakt zu seinem Vermittler sucht, sei mittlerweile vielmehr situationsabhängig. Um dieser Entwicklung Rechnung zu tragen, werden klassische Makler digital nachrüsten müssen, ist Bauer überzeugt. „In Zukunft werden wir alle ein bisschen Fintech sein müssen“.