Italien und der Euro „Keine Angst vor dem Italexit“

Fondsmanager Ernst Konrad von Eyb & Wallwitz: „Italien leidet unter dem seit Jahren schwachen Wirtschaftswachstum.“ | © Eyb & Wallwitz

Fondsmanager Ernst Konrad von Eyb & Wallwitz: „Italien leidet unter dem seit Jahren schwachen Wirtschaftswachstum.“ Foto: Eyb & Wallwitz

Seit den Römischen Verträgen von 1957, der eigentlichen Gründungscharta der heutigen Europäischen Union, galt Italien immer als stramm pro-europäisch, ähnlich wie Deutschland oder die Benelux-Staaten. Die neue italienische Regierung, die von Links- und Rechtspopulisten gestellt wird und über eine breite parlamentarische Mehrheit verfügt, fällt allerdings mit lautstarken europakritischen Äußerungen auf. Bereits im Wahlkampf wurde die EU für fast alle Probleme Italiens, von der unkontrollierten Immigration bis zum geringen Wirtschaftswachstum, verantwortlich gemacht.

Für die Finanzmärkte ist dabei wesentlich, wie sich Italien seine zukünftige Rolle innerhalb der Europäischen Währungsunion vorstellt. Wird man im Euro bleiben, eventuell eine „Parallelwährung“ einführen und verbunden damit was wird aus dem Schuldenberg von €2.300 Mrd. und aus Target2-Verbindlichkeiten von über €400 Mrd.?

Um das Ergebnis vorwegzunehmen: Wir erwarten keine Änderung des Status-Quo, auch wenn die Europäische Union und vor allem der Euro bei der italienischen Bevölkerung sehr unbeliebt sind. Den Hauptgrund sehen wir wie seinerzeit während der Griechenland-Krise vor allem in dem immensen wirtschaftlichen Schaden, den sich Italien im Falle eines Austritts aus der Eurozone selbst zufügen und der etwaige kurzfristige Vorteile bei weitem überkompensieren würde.

Was hat der Euro mit der Oper „Aida“ gemeinsam?

Der neue italienische Minister für Europaangelegenheiten, Paolo Savona, bezeichnete den Euro jüngst als einen „deutschen Käfig“. In einem Kommentar von Anfang Juni geht der Financial Times-Kolumnist Gideon Rachman einen Schritt weiter. Da in diesem Käfig nicht nur Italien, sondern auch Deutschland gefangen ist, zieht er eine Parallele zur Oper „Aida“ von Verdi, in der Aida, eine äthiopische Prinzessin, den Oberbefehlshaber der gegnerischen ägyptischen Truppen, Radames, zum Hochverrat anstiftet und beide zum Schluss zur Strafe in einem Grabmal auf ewig eingemauert werden. Warum ist dieser Vergleich nicht nur originell, sondern auch stimmig? 

Grafik 1: Italien stagniert seit 20 Jahren

Italien leidet vor allem unter dem seit Jahren chronisch schwachen Wirtschaftswachstum. Über die letzten 20 Jahre stagnierte das Pro-Kopf-Einkommen und bleibt in seiner Entwicklung sogar hinter dem krisengebeutelten Griechenland zurück (vgl. Grafik 1). Gleichzeitig drückt das Land ein gewaltiger Schuldenberg von 130% der jährlichen Wirtschaftsleistung, wodurch der fiskalische Spielraum beschränkt ist. Damit scheint es mehr als fraglich, ob die beiden Lieblingsprojekte der neuen italienischen Regierung, die Einführung einer sogenannten “flat-rate-tax” und eines Grundeinkommens mit Kosten von zusammen von bis zu €100 Mrd. bzw.6%-7% der jährlichen Wirtschaftsleistung tatsächlich zu realisieren sind und zwar unabhängig von der Einhaltung der von der EU vorgegebenen fiskalischen Regeln. Denn Italien verfügt zwar über einen Budgetüberschuss vor Zinszahlungen in Höhe von mehr als 2% der Wirtschaftsleistung, muss aber jedes Jahr Anleihen im Volumen von €200 Mrd. über den Kapitalmarkt finanzieren (vgl. Grafik 2).

Grafik 2: Italien muss jedes Jahr €200 Mrd. refinanzieren