Italienische Parlamentswahl Weik & Friedrich: „Warum die Wahl am Sonntag unser Vermögen gefährdet“

Die Finanzberater und Bestsellerautoren Marc Friedrich (li.) und Matthias Weik kommentieren die Parlamentswahl in Italien. | © Christian Stehle, Asperg

Die Finanzberater und Bestsellerautoren Marc Friedrich (li.) und Matthias Weik kommentieren die Parlamentswahl in Italien. Foto: Christian Stehle, Asperg

Deutschland ist momentan sehr mit sich selbst beschäftigt. Headlines befassen sich damit, ob die SPD-Mitglieder für eine GroKo stimmen und diese folglich zustande kommt oder auch nicht. Man fragt sich, ob Komiker wie Sigmar Gabriel, Olaf Scholz, Andrea Nahles Minister(in) oder doch nur Vorturner der in Zukunft in Bedeutungslosigkeit verschwindenden SPD werden. Gleichzeitig sind die viel wichtigeren Probleme innerhalb der EU und insbesondere in Italien keinesfalls kleiner, sondern größer geworden.

Bereits seit Jahren beschreiben wir den maroden Zustand Italiens, und leider gibt es bis dato nichts Positives zu berichten - ganz im Gegenteil. In Italien wächst der Unmut unvermindert. 74 Prozent der Italiener halten die Lage in ihrem Land für schlecht. Der Missmut der Bevölkerung hat gegenüber dem Staat und seinen politischen Eliten besorgniserregende Höchststände erreicht. 72 Prozent misstrauen den Behörden, 78 Prozent der Justiz und der Regierung und 83 Prozent den Parteien.

"Euro in Italien unpopulär"

Am 4. März sind Wahlen, und wir gehen davon aus, dass die EU- und Euro-kritischen Parteien die großen Gewinner der Wahl sein werden. Sollte die ganze Situation eskalieren, könnte sogar ein Austritt Italiens aus der EU auf der Agenda stehen. Knapp 46 Prozent der Italiener sind davon überzeugt, dass es Italien außerhalb der EU besser gehen würde. Nirgendwo in der Eurozone ist der Euro so unpopulär wie in Italien.

All dies ist verständlich in Anbetracht dessen, dass die verfügbaren Pro-Kopf-Einkommen der Italiener heute real erheblich niedriger sind als zu Lira-Zeiten. Zweifellos ist Italien mit seien verkrusteten Verwaltungsstrukturen und seinem mangelnden Willen für tiefgreifende Reformen einer der Hauptverlierer innerhalb der Eurozone. Die Arbeitslosenrate Italiens beträgt 10,8 Prozent. Unter den Jugendlichen sind sogar über 32 Prozent ohne Job und Perspektive. Folglich verlassen immer mehr junge, gebildete Menschen das Land. Für ein Land mit einer ohnehin geringen Akademikerquote ist dies der Supergau.

"133 Prozent Gesamtverschuldung"

Die staatliche Gesamtverschuldung des Landes betrug zuletzt 133 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, nur Griechenland steht mit 179 Prozent Verschuldung noch schlechter da. Laut Maastricht-Vertrag sind höchstens 60 Prozent erlaubt. Doch das interessiert heute anscheinend sowieso keinen mehr in Brüssel. Dort sind Vertragsbrüche Tradition, auch weil die Verträge von denselben Ländern gebrochen werden, die sie erstellt haben.