„It´s the economy, stupid“

Ernst Konrad

Ernst Konrad

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„It´s the economy, stupid“: Dieser plakative Slogan Bill Clintons aus dem Präsidentschaftswahlkampf 1992 zielte auf den Amtsinhaber George Bush sen., der zwar große außenpolitische Erfolge vorzuweisen hatte (Beendigung des Kalten Kriegs und Gewinn des ersten Irakkriegs), aber die Rezession zu Beginn der 1990er Jahre nicht verhindern konnte. Das Image des wirtschaftspolitischen Versagers wurde Bush nicht mehr los und musste das Weiße Haus nach nur einer Amtszeit für Clinton räumen, mit dessen Amtsantritt die „goldenen 1990er Jahre“ mit Vollbeschäftigung, dynamischem Wirtschaftswachstum und haussierenden Aktienmärkten begannen.

Das wirtschaftliche Umfeld ist aber nicht nur für die amerikanische Politik von herausragender Bedeutung, sondern auch für die Entwicklung der Finanzmärkte. Letzteres ist allerdings in jüngster Zeit von vielen Marktteilnehmern verdrängt worden. Das Zauberwort heißt „Liquidität“. Die Zentralbanken rund um den Globus haben Geld in bislang nicht gekanntem Umfang in die Finanzmärkte gepumpt, ob durch den direkten Kauf von Staatsanleihen (hauptsächlich die FED und die Bank of England) oder durch die großzügige Kreditvergabe an den Bankensektor (die EZB hat in zwei Schritten im Dezember 2011 und Februar 2012 zusammen etwa 1.000 Mrd. Euro an Krediten für 3 Jahre zu einem Zinssatz von 1  Prozent vergeben). Die Kredite der EZB sind die europäische Version des „Quantitative Easing (QE)“ der FED und haben auch die gleiche Wirkung auf den Aktienmarkt gehabt. Man erinnert sich: Im August 2010 deutete Ben Bernanke QE2 an, worauf amerikanische Aktien haussierten. Die gleiche Wirkung ging von der EZB-Politik aus, der DAX erholte sich deutlich von seinen Tiefständen im Herbst 2011 (vgl. Grafik 1).