IVFP-Chef im Interview Herr Hauer, wie schließt die Generation 50plus am besten ihre Versorgungslücke?

Michael Hauer, Geschäftsführer des Instituts für Vorsorge- und Finanzplanung (IVFP)

Michael Hauer, Geschäftsführer des Instituts für Vorsorge- und Finanzplanung (IVFP)

DAS INVESTMENT: Warum ist Vorsorge für die Generation 50plus so wichtig?

Michael Hauer: Diese Altersgruppe verfügt sowohl über hohes Einkommen als auch beachtliches Vermögen, das sich durch Erbschaft und ablaufende Lebensversicherungen in den nächsten Jahren voraussichtlich noch vergrößern wird. Jedoch ist die Versorgungs- oder Lebensstandardlücke gerade bei diesem Personenkreis oft noch nicht ausreichend finanziert. Obwohl das Bewusstsein dafür vorhanden ist, da der Renteneintritt in Sichtweite gerät.

Wie müssen sich die Menschen mit dem Thema auseinandersetzen?

Unseren Berechnungen zufolge beträgt diese Lücke bei einem Arbeitnehmer aktuell etwa 40 Prozent. Bei Selbstständigen ist sie in der Regel noch größer. Wer dem-zufolge seinen gewohnten Lebensstandard auch später noch aufrechterhalten will, muss privat in Form von lebenslangen Leibrenten vorsorgen. Besonders die über 50-Jährigen haben aufgrund hoher Kapitalvermögen die Möglichkeit, diese Leistungen noch aktiv zu beeinflussen. Ein anderer Punkt betrifft die Pflege. Wenn man die Pflegequoten betrachtet, sieht man, dass mit 80 Jahren in etwa jeder Vierte pflegebedürftig ist – und das bei unzureichenden staatlichen Leistungen.

Aufgrund sinkender Renditen stehen Rentenversicherer unter Druck. Sind solche Produkte überhaupt noch sinnvoll?

Wir neigen dazu, die eigene Lebenserwartung massiv zu unterschätzen. Um ein garantiertes lebenslanges Einkommen zu generieren, sind Rentenversicherungen alternativlos. Die Renditen, insbesondere von staatlich geförderten Produkten, sind auch in der Niedrigzinsphase noch hervorragend, vergleicht man diese mit anderen konservativen Anlagen. Wer die Chance auf Rendite noch steigern möchte, kann auch in der Auszahlphase in kapitalmarktorientierten Versicherungsprodukten investiert bleiben.

Sind Rentenversicherungen ausreichend flexibel, wenn man zwischendurch Kapital benötigt?

Wer bis zur Rente noch einige Jahre Zeit hat, kann ein Produkt mit Aufschubzeit wählen – bei entsprechender Anlegermentalität vorzugsweise Fondspolicen. Bei Ruheständlern sind sofort beginnende Rentenversicherungen sinnvoll. Wem es wichtig ist, in der Rentenphase auf das Kapital zum Beispiel in Form von Teilentnahmen zugreifen zu können, sollte sich bei privaten Rentenversicherungen umsehen. Diese Produkte werden zwar nicht gefördert, unterliegen jedoch auch nicht den damit verbundenen Beschränkungen.

Über Michael Hauer: Der Diplom-Mathematiker und Financial Planning-Experte ist Geschäftsführer des Instituts für Vorsorge- und Finanzplanung (IVFP). Die Gesellschaft untersucht den Markt für Altersvorsorge, bewertet Produkte und Beratungsprozesse und bietet Finanzdienstleistern strategische Beratung und Fachseminare.