Jacob Vijverberg, Fondsmanager bei Kames Capital „Investoren konzentrieren sich zu sehr auf finanzpolitische Entscheidungen“

Mark Carney (l.), Gouverneur der Bank of England, EZB-Chef Mario Draghi und Fed-Chefin Janet Yellen: Überschätzen Investoren den Einfluss der Zentralbanken auf die Finanzmärkte?  | © Getty Images

Mark Carney (l.), Gouverneur der Bank of England, EZB-Chef Mario Draghi und Fed-Chefin Janet Yellen: Überschätzen Investoren den Einfluss der Zentralbanken auf die Finanzmärkte? Foto: Getty Images

Jacob Vijverberg, Co-Manager des Kames Global Diversified Income Fund

Herr Vijverberg, welche allgemeinen Erkenntnisse haben Sie aus den Entwicklungen an den Finanzmärkten in diesem Jahr gewonnen?

Jacob Vijverberg: Die Aktienmärkte haben sich 2017 erfreulich entwickelt. Angetrieben wurde die Hausse von verschiedenen Sektoren, die zu Jahresbeginn nicht unbedingt günstig bewertet waren, aber noch Luft nach oben hatten. IT und Technologie gehören dazu. Unsere Investitionen in diesen Bereichen haben sich auf jeden Fall gelohnt.

Darüber hinaus hat es sich 2017 ausgezahlt, Währungsrisiken in Kauf zu nehmen. US-Präsident Donald Trump ist mit seinen politischen Plänen nicht wirklich vorangekommen. Die geplante Steuerreform konnte bisher nicht auf den Weg gebracht werden. Anleger haben sich deshalb bei Investitionen in den USA zurückgehalten, woraufhin der US-Dollar Schwäche zeigte.

Generell haben sich Investoren 2017 noch mehr als in früheren Jahren auf makroökonomische Entwicklungen konzentriert. Vor allem die Politik der Zentralbanken stand im Zentrum der Aufmerksamkeit. US-Präsident Donald Trump mit seiner geplanten Gesundheits- und Steuerreform bekam ebenfalls einen beträchtlichen Teil der öffentlichen Aufmerksamkeit.

Machen sich Anleger Ihrer Ansicht nach generell zu viele Gedanken über die Notenbanken?

Vijverberg: Das ist eine gute Frage. Ja, ich denke schon. Dabei ist es eigentlich viel wichtiger, die Entwicklungen auf Unternehmensebene zu beobachten. Vor allem Bilanzen müssen bis ins kleinste Detail analysiert werden.

Was sind die Gründe für den übertriebenen Fokus?

Vijverberg: Es ist einfacher, Leitzinsen und Anleihekaufprogramme in die eigene Investment-Strategie einzubeziehen, als Informationen über Unternehmen und deren Geschäftsprozesse zu beschaffen. Investoren finden es wahrscheinlich auch einfach spannend, die Notenbankpolitik zu analysieren.

Nicht jeder Investor ist ein Stock Picker.

Vijverberg: Muss man auch gar nicht sein. Es reicht, sich Markteinschätzungen über Anlageklassen anzusehen. Wir waren bei Kames Capital beispielsweise stark in Bankanleihen engagiert. Das ist eine der Anlagekategorien, die in 2017 die höchsten Erträge erzielt hat, aber von den meisten Investoren übersehen wurde. Es lohnt sich auf jeden Fall, seine Hausaufgaben zu machen.