Janet Yellen US-Geldpolitik wird nicht geändert

Herbert Walter, selbstständiger Berater

Herbert Walter, selbstständiger Berater

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Mit raschem Schritt eilte Janet Yellen vergangene Woche in den US-Kongress in Washington zu einem mit Spannung erwarteten Termin. Auf der Agenda stand ihre erste Anhörung im Ausschuss für Finanzdienstleistungen seit ihrem Antritt als neue Chefin der amerikanischen Notenbank Federal Reserve.

Die Damen und Herren mussten ein „Déjà-vu“ gehabt haben: Die resolute Dame mit dem burschikosen Haarschnitt unterscheidet sich zwar äußerlich deutlich von ihrem Vorgänger. Inhaltlich jedoch knüpfte sie in ihren Ausführungen und Erklärungen nahtlos an den Kurs ihres Vorgängers Ben Bernanke an.

Eine Änderung der bisherigen Geldpolitik steht nicht an. Die Zentralbankzinsen würden weiterhin niedrig bleiben, die Käufe von Staats- und Hypothekenanleihen („quantitative easing“) nur moderat reduziert. Noch unter Bernanke hatte die Fed im Dezember die monatlichen Anleihe-Käufe auf 65 Milliarden Dollar reduziert. Damit wird es zwar weitergehen, allerdings immer in Abhängigkeit von der wirtschaftlichen Entwicklung in den USA.

Heißt: Geht’s mit der Wirtschaftsentwicklung wider Erwarten bergab und mit der Arbeitslosigkeit rauf, sind Yellen und ihre Fed-Kollegen bereit zu handeln. Was bedeutet das für die Weltwirtschaft? Schließlich hat schon die leichte Straffung der US-Geldpolitik die Währungen einiger Schwellenländer in schwere Turbulenzen gestürzt.

Investoren zogen Kapital ab

In den vergangenen Wochen hatten die Investoren viel Kapital aus Ländern wie Brasilien, Indien, Indonesien oder der Türkei abgezogen, weil sie einen Anstieg der Leitwährung Dollar erwarten. Die Fed-Chefin hat vor den Abgeordneten ziemlich deutlich gemacht, dass ihr diese Verwerfungen herzlich egal sind. Sie erwartet dadurch keine Risiken für die USA, so Yellen.

Im Klartext: Solange Krisen in den Schwellenländern keine negativen Auswirkungen auf die US-Wirtschaft haben, sieht sie keinen Grund, am geldpolitischen Kurs etwas zu ändern.

So etwas darf man getrost knallharte Interessenpolitik „made by the Fed“ nennen. Ich glaube allerdings, dass der Einfluss der Geldpolitik der Federal Reserve und auch der EZB auf die Weltwirtschaft manchmal überschätzt wird.