Japan Ein Jahr Abenomics

Ekkehard J. Wiek, Vermögensverwalter und Asien-Fondsmanager, W&M Wealth Managers (Asia) in Singapur

Ekkehard J. Wiek, Vermögensverwalter und Asien-Fondsmanager, W&M Wealth Managers (Asia) in Singapur

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Als Japans Ministerpräsident Shinzo Abe im Januar auf dem Weltwirtschaftsgipfel in Davos die Eröffnungsrede hielt, hatte ihn kurz zuvor das Schlusskommuniqué der zweitägigen Beratungen seiner Notenbank erreicht.

Es dürfte ihn von der Richtigkeit seines volkswirtschaftlichen Kurses überzeugt haben, den er gemeinsam mit der Bank of Japan seit gut einem Jahr verfolgt und der außerhalb Japans nicht überall auf Zustimmung stößt.

Es ist ein Experiment, auf das sich die Regierung Abe und die BoJ eingelassen haben. Innerhalb von nur zwei Jahren soll die Geldmenge glatt verdoppelt werden auf 270 Billionen Yen, was dann fast der Hälfte des japanischen Bruttoinlandsproduktes entspräche.

Ziel der Operation: Anhebung der Inflationsrate auf zwei Prozent und Durchbrechen der fast seit zwei Jahrzehnten andauernden Deflationsspirale – auch durch gezielte Schwächung der eigenen Währung.

Inflation steigt, Wachstum stagniert


Was die Notenbank im Januar zu vermelden hatte, machte Mut: Für das Ende des Fiskaljahres 2015 schätzt die BoJ den Anstieg der Verbraucherpreise auf 1,9 Prozent. Schon im zurückliegenden November war die Teuerungsrate auf 1,2 Prozent angestiegen, so hoch wie schon sehr lange nicht mehr.

Doch die Steigerung der Inflationsrate ist natürlich kein Selbstzweck, denn letztlich soll sie, so die Hoffnung, nur Ausdruck einer gestiegenen Wachstumsdynamik der Wirtschaft sein. Und da ist die Bank of Japan weit weniger euphorisch.

Sie senkte die Wachstumserwartung für 2014 sogar von 1,5 Prozent auf 1,4 Prozent. Selbst dieser Erfolg steht jedoch auf tönernen Füßen. Gerade erst sind die Konsumsteuern von 5 auf 8 Prozent angehoben worden und man wird abwarten müssen, wie sich diese Maßnahme auf die ohnehin schwächelnde Nachfrage auswirkt.

Für 2015 ist schon die nächste Anhebung auf 10 Prozent geplant, der Stufenplan soll die Konsumenten veranlassen, mit Anschaffungen nicht länger zu warten. Doch in diesem Spiel müssen idealerweise auch die Unternehmer mitmachen.

Sie sollten, so der ausdrückliche Wunsch des Ministerpräsidenten, aus patriotischen Erwägungen die Löhne erhöhen, und zwar möglichst nicht zu knapp. Denn die verfügbaren Haushaltseinkommen werden natürlich leiden, durch die Anhebungen der Konsumsteuer einerseits und durch die steigende Teuerung - wenn es denn klappt - andererseits.

In der Summe macht dies ein rechnerisches Minus bei den Konsumenten von sieben Prozent über zwei Jahre aus. Wie dies ohne Kompensation durch Lohnerhöhungen oder Steuersubventionen zu nachhaltig steigender Nachfrage führen soll, ist eine der vielen Ungereimtheiten der Abenomics.