Joe Foster Goldfonds-Manager erwartet 2017 einen Gold-Bullenmarkt

Historische Betrachtung Goldpreis und U.S. Dollar | © FactSet. Daten vom 30.12.2016

Historische Betrachtung Goldpreis und U.S. Dollar Foto: FactSet. Daten vom 30.12.2016

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Konsolidierung am Goldmarkt durch den starken US-Dollar

Augenscheinlich ist Gold gerade dabei, die seit den US-Präsidentschaftswahlen im November erlittenen Verluste zu konsolidieren. Der Goldpreis erreichte sein Monatstief im Dezember bei USD 1.137 pro Unze, nachdem die US-Notenbank Federal Reserve (kurz: Fed) am 14. Dezember die beabsichtigte Erhöhung des US-Leitzinses (Federal Funds Rate)(1) um 25 Basispunkte bekannt gegeben hatte. Die Entscheidung der Fed führte auch dazu, dass der U.S. Dollar Index (DXY)(2) auf neue Höchststände kletterte. Der Goldpreis schloss den Monat mit einem Preis von USD 1.152,27 pro Unze, verlor also USD 20,98 (1,8 Prozent). Die Nettorückkäufe von börsengehandelten Goldprodukten nahmen nach den Präsidentschaftswahlen weiterhin zu, flachten jedoch zum Jahresende hin ab. Seit dem Sieg von Donald Trump kam es bei börsengehandelten Goldprodukten (exchange traded product = ETP) weltweit zu Nettoabflüssen von 7,2 Millionen Unzen. Im Ergebnis beliefen sich die Nettozuflüsse in 2016 aber immerhin auf eindrucksvolle 11,8 Millionen Unzen.

Auch die Goldaktien befanden sich im Konsolidierungsmodus, während der NYSE Arca Gold Miners Index (GDMNTR)(3) um 1,1 Prozent zulegte und der MVIS Junior Gold Miners Index (MVGDXJTR)(4)  2,0 Prozent verlor.

Selbst wenn Marktereignisse ignoriert werden, können sie langfristig unterstützend wirken

Im Dezember kam es zu zwei voneinander unabhängigen Entwicklungen, die von den Märkten weitgehend ignoriert wurden. Wir sind jedoch der Meinung, dass diese sich langfristig positiv auf den Goldpreis auswirken könnten. Am 4. Dezember sprachen sich die italienischen Wähler in einem Referendum gegen eine Verfassungsänderung aus. Dies kam einem Misstrauensvotum gegen Premierminister Matteo Renzi gleich, der auch umgehend zurücktrat. Dies ist der jüngste Erfolg in einer Serie populistischer Siege rund um den Globus, die sich aus dem Unmut der vom politischen Establishment enttäuschten Wähler speisen. Die etablierten Parteien waren mit ihrer Politik nicht in der Lage, benötigte Arbeitsplätze zu schaffen. Stattdessen bescherte uns die Politik nach der Krise in einem noch nie gesehenem Ausmaß neue Vorschriften, geldpolitische Experimente, Sparmaßnahmen und Neuverschuldung. Durch das Ergebnis des Referendums wächst die Macht der Oppositionsparteien in Italien die die Frage aufwerfen, ob das Land in der Europäischen Union (EU) bleiben sollte. Mit der Umsetzung des Brexit im Jahr 2017 entstehen erhebliche Risiken für die europäische Wirtschaft, und das Referendum in Italien ist ein weiterer Beleg für eine breite Bewegung, die sich gegen die EU wendet. In 2017 finden wichtige Wahlen in den Niederlanden (März), in Frankreich (April) und in Deutschland (August bis Oktober) statt. Wächst das Risiko eines Scheiterns der Europäischen Union, dann könnte dies den Goldpreis durchaus beflügeln.

Zudem wurde am 5. Dezember ein Meilenstein gesetzt, der sich für Gold als vorteilhaft erweisen könnte: Die Prüfungs- und Rechnungslegungsorganisation für islamische Finanzinstitute (Accounting and Auditing Organisation for Islamic Financial Institutions, AAOIFI) führte den Scharia-Goldstandard (kurz: der Standard) ein.(5)  Mit dem Standard werden erstmals spezifische Regeln für den Einsatz von Gold als Investment in der islamischen Finanzbranche festgelegt. Bisher fehlten derartige Regeln. Dies führte zu Verwirrungen darüber, ob es islamischen Haushalten erlaubt ist, in Gold zu investieren. Wer zuvor Gold besitzen wollte, dem war dies nur in Form eines Investments in Schmuck gestattet. Entsprechend dem Standard ist es nun zulässig, in Goldminenaktien zu investieren. Dies eröffnet weltweit einem wichtigen Bevölkerungssegment, das bereits eine Neigung zum Golderwerb hat, die Möglichkeit, in Goldbarren, Goldmünzen, ETPs und Goldaktien zu investieren.

Das Jahr 2016 sollte als gewinnbringendes Jahr und als Wendepunkt für Gold in Erinnerung bleiben

Obwohl die Wertentwicklung von Gold und Goldaktien nach der US-Wahl doch eher enttäuschte, war 2016 insgesamt ein ertragsstarkes Jahr und ein wichtiger Wendepunkt für Gold-Investments. Gold legte 2016 USD 91 pro Unze bzw. 8,6 Prozent zu und erzielte damit seinen ersten Jahreskurszuwachs seit vier Jahren. Gewinner des Jahres waren jedoch die Goldaktien. Sie verzeichneten Zuwächse von 54,4 Prozent im GDMNTR und von 75,1 Prozent im MVGDXJTR.

Die Gründe für die herausragende Performance der Goldaktien waren vielschichtig. Ausschlaggebend waren dabei unter anderem die folgenden Aspekte:

  • Eine Erholung des Bärenmarktes von 2015, der stark überverkauft war, setzte ein. Der Finanzsektor fiel in „Ungnade“ bei den Investoren, sodass die Bewertungen Rekordtiefstände erreichten.
  • Die Goldproduzenten beeindruckten die Investoren mit ihrer Kostenkontrolle, ihren operativen Ergebnissen und ihrer allgemeinen finanziellen Disziplin.
  • Renditehebel auf den Goldpreis

Eine so starke Performance wie im Jahr 2016 ist charakteristisch für wichtige Wendepunkte auf dem Goldmarkt. Beispielsweise legte der GDMNTR 2002 um 80 Prozent zu, 2009 stieg der Index um 37 Prozent.