Johannes Führ: „Die Überversorgung mit Informationen ist ein Problem“

Johannes Führ

Johannes Führ

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Wenn es heute den Anlegern an etwas nicht mangelt, dann sind es Informationen. Heute haben wir die bestinformierten Investoren aller Zeiten. Rund um die Uhr, sieben Tage die Woche werden wir mit den neuesten Wirtschaftsnachrichten und Marktanalysen versorgt. Die elektronischen Medien machen es möglich. Und obwohl so reichlich versorgt mit allen Konjunktur- und Marktaussichten, fühlen sich Marktteilnehmer mehr denn je verunsichert.

Früher brauchte man Informationen, um ein Problem zu lösen. Jetzt sind die Informationen zum Problem geworden. Die Überversorgung mit Informationen hat die Qualität von Anlageentscheidungen nicht verbessert. Im Gegenteil: Mediengetriebene emotionale Entscheidungen sind schon immer mehrheitlich falsch gewesen, auch dann, wenn die Masse in diese Richtung strömt.

Deshalb hat das Sprichwort, wonach der „dümmste Bauer in der Regel die dicksten Kartoffeln produziert“, vielleicht eine neue Bedeutung.

Zeit zum Denken

Hintergrund ist die Notwendigkeit, an bewährten Grundsätzen festzuhalten und diese konsequent umzusetzen. So bekommt man die nötige Zeit, um sich zurückzulehnen und nach vorne zu denken. Man muss nicht jede Nachricht und jede Kurzanalyse gelesen haben, um Entscheidungen zu treffen. Im Gegenteil: Die Konzentration auf die wesentlichen Fragen führt zu klaren und einfachen Entscheidungen.

Auch ohne Medien stellen wir uns beispielsweise die einfache Frage: Glauben wir, dass die staatlichen Schulden in Europa und in den USA zurückgefahren werden? Oder werden diese Staaten Ende 2013 noch höhere Schulden ausweisen als heute?

Wir glauben, dass in einem Jahr, egal ob mit höheren oder mit niedrigeren Steuereinnahmen, die Schulden höher sein werden als heute. Damit haben wir eine Antwort darauf, ob die Qualität der Staatsschulden ab- oder zunimmt.

Und wir wissen, wie sich vor diesem Hintergrund die jeweiligen Notenbanken in der Fortsetzung der Nullzinsphase bewegen müssen. Wir erwarten daher, dass in Ländern wie Frankreich der Zins, der zurzeit noch nahe bei Null liegt, langsam aber sicher geringfügig weiter steigen wird. Deshalb verkaufen wir hier mittlere und lange Laufzeiten. Gleichzeitig sind die schlechten Nachrichten aus Spanien und Irland bekannt, und die positiven werden zunehmen. In der Folge werden sich die Renditen tendenziell langsam nach unten bewegen. Deshalb kaufen wir hier länger laufende Anleihen.