Jürgen Meyer: „Industrieländer haben den Vorteil des Prestiges“

Jürgen Meyer, Fondsmanager des SEB Aktienfonds

Jürgen Meyer, Fondsmanager des SEB Aktienfonds

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DAS INVESTMENT.com: Hat der Euroraum, wie wir in heute kennen, noch Zukunft?

Jürgen Meyer: Er sollte zumindest eine Zukunft haben. Denn ein gemeinsamer Wirtschaftsraum hat viele Vorteile. Im Fall eines Auseinanderbrechens der Eurozone, wäre die Alternative im schlimmsten Fall ein Rückfall in die Kleinstaaterei. Jedes Land würde wieder mittels landeseigener Normen eigene Produkte erzwingen. Dadurch kann man international nicht lebensfähige Industrien vielleicht zeitweise lokal erhalten. Die DDR beispielsweise hatte mit ihrem Trabbi ja auf geradezu groteske Weise demonstriert, wie solches Denken endet. Überflüssig zu erwähnen, dass man jenseits der Landesgrenzen mit solchen Produkten keinen Blumentopf gewinnen kann.

DAS INVESTMENT.com: Ist das der Abgesang auf die Wirtschaft Europas?

Meyer: Nein. Wir haben auf der einen Seite einige marode Staaten und einige marode Banken. Und auf der anderen Seite haben wir gut  ausgebildete und motivierte Menschen in Unternehmen in global führender Stellung.

Wir müssen uns im Klaren sein: einen Preiskampf mit asiatischen Anbietern können wir nicht gewinnen. Wenn die Chinesen etwas billiger produzieren können als wir, sollten es wir dort kaufen und unsere Energie auf das konzentrieren, was wir besser können: das sind Know-How, Hightech, Prestige- und Luxusgüter.

DAS INVESTMENT.com: Werden die Schwellenländer nicht auch diese Märkte in der Zukunft besetzen?

Meyer: Das streben die sicher an. Und in einigen Bereichen werden sie das auch erreichen. Wir waren vor hundertfünfzig Jahren auch mal Schwellenland. Um Geld zu verdienen, reicht es in den seltensten Fällen, die Technik zu beherrschen – was für sich alleine schon schwierig genug ist. Meist gehören auch Image, Prestige und Marktanteile dazu. Das aufzubauen dauert Jahrzehnte. Wohlgemerkt ab dem Punkt, an dem sie technisch auf Augenhöhe stehen.

DAS INVESTMENT.com: Sie scheinen trotz Eurokrise positiv gestimmt zu sein.

Meyer: Die Eurokrise ist das Problem überschuldeter Staaten und deren Gläubiger. Und damit auch des Bankensektors. Glücklicherweise ist dies nicht die wichtigste deutsche Industrie. Die derzeitige Eurokrise verdeckt die sehr gute Situation der deutschen Wirtschaft. Wir haben hierzulande eine hohe Zahl an prosperierenden Weltmarktführern, sowohl  im Mittelstand als auch im Dax.

DAS INVESTMENT.com: Vielleicht sind die Unternehmen gut aufgestellt. Aber die Psychologie des Marktes greift doch immer wieder die schlechten Rahmendaten der Europäer und Amerikaner auf.

Meyer: Natürlich belasten die ständigen Hiobsbotschaften die Aktienmärkte. Und wie in allen Krisen zuvor fallen einige Aktien zu Recht, viele aber grundlos. Auch wenn Partystimmung anders ausschaut: es eröffnet denen, die wissen was sie tun, Chancen.