Jupiter-Deutschlandchef Andrej Brodnik „So etwas reißen Ihnen die Anleger aus den Händen“

Andrej Brodnik ist Vertriebsleiter Deutschland, Österreich und Schweiz bei Jupiter Asset Management | © Sebastian Widmann

Andrej Brodnik ist Vertriebsleiter Deutschland, Österreich und Schweiz bei Jupiter Asset Management Foto: Sebastian Widmann

In letzter Zeit gab es viele Ereignisse, die turbulente Märkte befördert haben. Chinakrise im vergangenen Jahr, geopolitische Verwerfungen, Brexit-Entscheidung. Wie ist Ihr Fazit aus Vertriebssicht für das laufende Jahr?

Es gab viele Dinge, die Anleger nervös gemacht haben, aber die wird es immer geben. Demnächst steht die US-Wahl an. Dann kommen Ereignisse, die noch gar keiner auf dem Schirm hat. Das ist vertriebstechnisch nicht entscheidend. Wenn man passende Produkte für die aktuellen Anforderungen hat, ist man gewappnet. Wir sind weiterhin sehr gut unterwegs.

Würden Sie sich als Nettoprofiteur des Zinstiefs sehen?

Absolut. Jeder Profi-Investor sollte dankbar sein für die Nullzinspolitik. Sie zwingt die Anleger, von ihrem Sparbuch wegzukommen. Wer jetzt kein Geld einsammelt, der wird in Zukunft auch nichts mehr einsammeln.

Was im Augenblick ein sehr heißes Thema ist: unkorrelierte, hoffentlich positiv performende Anlagen. Wir haben zum Beispiel einen globalen Long/Short-Fonds aufgelegt, den Jupiter Global  Absolute Return Fund. In den ersten acht Wochen haben wir hier 50 Millionen Euro eingesammelt. Wenn Sie nachweisen können, dass Sie etwas haben, was wirklich unkorreliert ist und nachweislich in den letzten Jahren eine anständige risikoadjustierte Performance hatte, dann reißen es Ihnen die Anleger aus der Hand.

Long-Only-Fonds sind im Moment nicht so gefragt. Wir verkaufen eher gut im Bereich Fixed-Income, Wandelanleihen, Global Unconstrained Bond, Global Absolute Return. Die Leute achten auf den Aspekt Sicherheit. „Sicherheit“ in Anführungsstrichen muss man allerdings sagen – denn ein Long/Short-Fonds ist ja keine Garantie, dass man nicht auch verlieren kann.

Welchen wichtigsten Trend sehen Sie zurzeit in der Fondsindustrie?

Multi-Asset wird bleiben. Das hat sehr viel mit dem Thema Regulierung zu tun. Sie müssen nur alle Berater fragen, was sie an Beratungsprotokollen ausfüllen müssen, bevor sie einen einzigen Fonds verkaufen. Ich glaube, dass die Zeit vorbei ist, in der dem Kunde für 10.000 Euro ein Korea-Fonds verkauft wird, weil man meint, Korea könnte der hot market sein. Dann verkaufe ich doch für denselben Aufwand lieber einen Multi-Asset-Fonds, der hoffentlich auch funktioniert.