KAGB und Vertrieb Enorme Erleichterung und Riesenaufwand

Papierflut: Auf die Bafin warten 1,2 Millionen Seiten Zulassungsanträge. (Illustration: Manuela Mrohs)

Papierflut: Auf die Bafin warten 1,2 Millionen Seiten Zulassungsanträge. (Illustration: Manuela Mrohs)

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Ein Kleintransporter würde nicht reichen. Kämen alle Gesellschaften auf die Idee, ihre Anträge auf Zulassung nach dem im Juli 2013 eingeführten Kapitalanlagegesetzbuch (KAGB) alle auf einmal bei der Finanzaufsicht Bafin in der Graurheindorfer Straße in Bonn abzuladen, bräuchten sie mindestens einen leichten LKW – und eine Hilfsmannschaft zum Entladen. Denn nach den Berechnungen des Fondsverbands BVI wird die Behörde bis Ende Juni 1,2 Millionen Seiten bekommen – das wären mehr als 5 Tonnen Papier. Die Bafin-Mitarbeiter klagen über volle Eingangskörbe, die Behörde baut zwei Referate neu auf, und die Gesellschaften suchen händeringend nach im Umgang mit der Bürokratie geschultem Personal.

Besonders hart trifft das die Anbieter geschlossener Fonds. Denn mit der Einführung des KAGB, das die vom EU-Parlament verabschiedete AIFM-Richtlinie in deutsches Recht umsetzt, werden sie zum ersten Mal reguliert. „Ein Segen für die Branche“, meint Andreas Heibrock, Mitglied der Geschäftsleitung beim Emissionshaus Real I.S..

Schließlich führe die neue Regulierung die Anbieter aus dem sogenannten grauen Kapitalmarkt in das Segment regulierter Finanzprodukte über. Das wirke sich positiv auf den Umsatz aus, ist Heibrock überzeugt. Denn Skandale um schwarze Schafe wie S&K, Wölbern Invest oder Infinus hätten das Vertrauen in die gesamte Branche erschüttert.

„Natürlich werden Privatinvestoren nicht von jetzt auf gleich ihr Vertrauen wiedergewinnen und sich massenweise auf die nunmehr regulierten Produkte stürzen“, sagt Heibrock. Doch spätestens in drei Jahren könnte die Vertrauenskrise überwunden sein. Eric Romba, Sprecher des BSI Bundesverbands Sachwerte und Investmentvermögen, sieht das differenzierter. Einige Neuerungen wie die Einführung von Verwahrstellen, das Verbot der Nachschusspflicht sowie diverse Vorschriften über die Qualifikation der Manager seien schon sinnvoll, sagt er. Doch der Aufwand, die entsprechenden Vorgaben umzusetzen, sei extrem hoch. Schließlich müssten interne Prozesse neu organisiert, Aufgaben umverteilt und diverse Arbeitsverträge geändert werden. Hinzu kommen Honorare für externe Berater, die oft hinzugezogen werden.

KGAL-Vertriebsgeschäftsführer Gert Waltenbauer spricht beim Regulierungsaufwand von Mannjahren. Eineinhalb Jahre lang hat sich sein Unternehmen Waltenbauer zufolge auf die Regulierung vorbereitet, mehrere Vollzeit-Mitarbeiter von ihrem Tagesgeschäft freigestellt, damit sie sich mit den Gesetzesvorschriften auseinandersetzen konnten und externe Berater engagiert.