Kai Röhrl: "Es gibt so viele Perlen in den Schwellenländern"

Kai Röhrl, Vertriebschef der<br/>niederländischen Fondsgesellschaft<br/>Robeco

Kai Röhrl, Vertriebschef der
niederländischen Fondsgesellschaft
Robeco

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>> zurück zum Themenspecial "INVESTMEET-Roadshow" DAS INVESTMENT.com: Europa hat Griechenland, Portugal, eine alte Bevölkerung und kaum Wachstum. Wir kriegen noch nicht mal eine Inflation hin, um Schulden los zu werden. Daher müssen wir über die Lieblinge der Weltwirtschaft reden, die Schwellenländer. China begrenzt aktuell recht flott die Kreditvergabe, um ein Überhitzen der Wirtschaft zu vermeiden. Wird das Wachstum trotzdem zweistellig ausfallen?

Kai Röhrl: Nicht ganz unwahrscheinlich, wir gehen von 8 bis 10 Prozent im laufenden Jahr aus. Das ist auch die Marke, die China sich setzt. Das ist ja auch schon fantastisch. Und die Schritte, die die Regierung einleitet, sind richtig und wichtig und sie werden zum Glück schnell umgesetzt. China braucht hohes Wachstum um Arbeitsplätze zu schaffen, gerade in den unglaublich schnell wachsenden Metropolen. Die Bevölkerung muss in Lohn und Brot gebracht werden. In dem Moment, in dem die Menschen nicht mehr zuhause den Acker bestellen, brauchen sie Arbeitsplätze – zum Beispiel in der Industrie.

DAS INVESTMENT.com: Reduziert sich die Entwicklung der Schwellenländer auf die vier großen Bric-Länder, Brasilien, Russland, Indien und China?

Röhrl: Nein, das denke ich nicht. Wir haben uns das Thema „Bric“ angeschaut. Nicht nur unter dem Anlageaspekt, sondern auch vom Produktvertrieb her und haben überlegt, ob wir einen Bric-Fonds auflegen sollten. Wir haben uns dann dagegen entschieden aus dem einfachen Grund, weil es so viele Perlen in den Emerging Markets gibt, so viele wachsende Volkswirtschaften. Die zu vernachlässigen, wäre ein Fehler. Zumal viele der Länder natürlich von dem Wachstum der großen vier Staaten profitieren. Wir finden Bric nicht schlecht und vor allem sind die Länder hochspannend. Aus Anlegersicht ist es jedoch zu kurz gesprungen, sich nur auf die vier zu konzentrieren.
DAS INVESTMENT.com: Wer sind die großen Nutznießer der großen Vier?

Röhrl: Das können Sie unter ganz verschiedenen Aspekten sehen. Zum einen natürlich Länder wie Indonesien und Malaysia. Sie können es ausdehnen auf den pazifischen Raum. Auch das Wachstum Australiens ist zu einem guten Teil dem Wachstum der Schwellenländer geschuldet.Schlussendlich profitiert die Weltwirtschaft vom dortigen Aufschwung der Beitrag am globalen Wirtschaftswachstum ist beachtlich.

DAS INVESTMENT.com: Es gab im vergangenen Jahr erste, wenn auch zögerliche Kapitalströme großer globaler Fonds in die Schwellenländer. Wann werden diese Länder weniger als Schwellenländer als viel mehr als die einzig wahre Wachstumsregion begriffen?

Röhrl: Diese Zurückhaltung ist ein stückweit auf die Strukturen dieser Länder, insbesonders China und Indien, zurückzuführen. In einigen Regionen kämen Sie nie auf den Gedanken, in einem Schwellenland zu sein. Ein paar Kilometer weiter raus ist dagegen noch finsteres Mittelalter. In den Ländern muss sich das Wachstum noch verbreitern. Die gesellschaftlichen Strukturen müssen noch stabiler werden und dürfen regional nicht mehr so weit auseinander klaffen. Was globale Portfolios betrifft orientiert man sich häufig stark an der Benchmark. Der MSCI Welt enthält noch keine Schwellenländer. Daher dürfen Fonds gemäß ihrer Anlagerichtlinien zum Teil dort gar nicht anlegen. Wenn man das Thema Emerging Markets jedoch von globalen Produkten löst, hat es bereits eine deutlich stärker Bedeutung.

DAS INVESTMENT.com: Woran machen Sie das fest?

Röhrl: An Investoren, die in Schwellenländerportfolios drängen. Institutionelle Adressen auch aus den USA fragen stark nach.