Kames Capital Darum lässt die Bundestagswahl die Finanzmärkte kalt

Kanzlerin Angela Merkel bei einer Wahlkampfveranstaltung in Schwerin: Die Fiskalpolitik wird in der kommenden Legislaturperiode voraussichtlich nicht übermäßig gelockert | © Getty Images

Kanzlerin Angela Merkel bei einer Wahlkampfveranstaltung in Schwerin: Die Fiskalpolitik wird in der kommenden Legislaturperiode voraussichtlich nicht übermäßig gelockert Foto: Getty Images

Sandra Holdsworth, Investment Manager im Anleihen-Team von Kames Capital

Von allen politischen Ereignissen im Euroraum 2017 bereitet die Bundestagswahl in Deutschland Investoren am wenigsten Sorgen. Angela Merkel wird aller Wahrscheinlichkeit nach wieder Kanzlerin. Um es auf den Punkt zu bringen: Die deutschen Wähler honorieren die solide Wirtschaftsentwicklung  in ihrem Land, die sie auch Merkel zu verdanken haben.

Die Rentenmärkte beeinflusst die Bundestagswahl nicht sonderlich. Anleihekurse werden tendenziell eher von der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) gesteuert. Deren Präsident Mario Draghi hat bereits mehrfach darauf hingewiesen, dass die Zinssätze in Europa für einen längeren Zeitraum auf dem derzeitigen Niveau verharren werden. Lediglich die Ausgabepläne der neuen deutschen Regierung könnten für etwas Bewegung am Anleihemarkt sorgen. Dieses Risiko ist jedoch vernachlässigbar.

Bremswirkung in der deutschen Fiskalpolitik

Wir von Kames Capital sind der Ansicht, dass die deutsche Fiskalpolitik in der kommenden Legislaturperiode nicht übermäßig gelockert wird. Die Wirtschaft der Bundesrepublik wächst überdurchschnittlich und die sogenannte „Schuldenbremse“ im Europäischen Wachstums- und Stabilitätspakt versperrt den Weg.

Die gesamtstaatliche Defizitquote soll demnach auf unter 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts gesenkt werden. Ende des Jahres 2016 lag der Wert noch bei 68,1 Prozent, gegenüber einem Spitzenwert von 81,0 Prozent im Jahr 2010. Mit diesem Ziel ist trotz des in Deutschland vorhandenen Bedarfs an Infrastrukturausgaben ein fiskalpolitischer Schub der Bundesregierung höchst unwahrscheinlich.

Möglicherweise hat die Fortsetzung der „Ära Angela Merkel“ in der Eurozone mehr Wirkung als in Deutschland selbst. Die CDU-Politikerin plant, den europäischen Stabilitätsmechanismus weiter auszubauen und sogar ein Finanzministerium für die gesamte Eurozone einzurichten.