Kames-Capital-Experten über den Schweizer Franken „Der Abwärtsdruck hält an“

Thomas Jordan, Präsident des SNB-Direktoriums: „Der Schweizer Franken ist traditionell hoch bewertet“ | © Getty Images

Thomas Jordan, Präsident des SNB-Direktoriums: „Der Schweizer Franken ist traditionell hoch bewertet“ Foto: Getty Images

Hoch, höher, Franken: Aus Sicht der Schweizerischen Nationalbank (SNB) ist die Hauswährung stark überbewertet. Grund dafür ist ihr Ruf, ein sicherer Hafen in Krisenzeiten zu sein.

Vor allem während der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise im Jahr 2008 floss viel Kapital in die Schweiz, da Investoren ihr Geld sicher verwahren wollten. Dies führte dazu, dass der Franken zunehmend aufwertete. Die SNB hatte keine andere Wahl, als den Trend einzudämmen. Ihre Führungsspitze senkte die Zinssätze und begann mit einer eigenen Version der quantitativen Lockerung: dem Kauf von Euro gegen frisch gedruckte Schweizer Franken.

Schweizer Franken gibt gegenüber Euro nach

In den vergangenen Monaten kehrte sich der Trend jedoch um: Der Franken gab gegenüber dem Euro deutlich nach. Investoren ziehen kontinuierlich Gelder von Schweizer Bankkonten ab.

Die nachfolgende Grafik zeigt die Entwicklung der Kapitalabflüsse aus der Schweiz seit dem Jahr 2000.

Der plausibelste Grund für die Kapitalflucht ist die erfreuliche Wirtschaftsentwicklung der Eurozone. Gute Konjunkturzahlen ermutigen Investoren, sich nach Renditemöglichkeiten in anderen Regionen umzusehen. 

„Der Abwertungsdruck steigt“

Wir von Kames Capital sind aus zwei Gründen überzeugt, dass der Abwärtstrend des Schweizer Frankens gerade erst begonnen hat: Erstens wird die SNB ihre Bilanzsumme auch künftig ausweiten. Und zweitens ist das europäische und globale Umfeld mit zunehmend weniger Risiken behaftet.

Infolgedessen werden Anleger auf der Jagd nach Rendite ihre Barmittel weiterhin aus der Schweiz abziehen. Die Kombination aus diesen Faktoren dürfte den Abwertungsdruck auf den Franken in den kommenden Monaten erhöhen.