Kames Capital „Politik regiert Finanzmärkte“

Händler an der New Yorker Börse: Die Politik hat starken Einfluss auf die Finanzmärkte. | © Getty Images

Händler an der New Yorker Börse: Die Politik hat starken Einfluss auf die Finanzmärkte. Foto: Getty Images

Das Sturmtief „Doris“ ist vorüber, neue Stürme könnten sich jedoch zusammenbrauen. Ist der Frühling dennoch in Sicht? So lautet bildlich gesprochen wohl die Frage der Anleger, nachdem der Reflationskurs Fahrt aufnimmt. Die wirtschaftlichen Aussichten sind zweifellos glänzend und die makroökonomischen Zahlen in den meisten wichtigen Regionen, darunter in Großbritannien, sind allgemein solide. Die Inflation steigt, ist aber bislang nicht besorgniserregend. Das weltweite Gewinnwachstum ist zum ersten Mal seit Langem wieder positiv. Gleichzeitig sind Verbrauchervertrauen und Geschäftsklima auf Mehrjahreshochs gestiegen. Was aber ist mit diesen Stürmen?

Sie fegen genau wie die meiste Zeit der letzten zehn Jahre in Gestalt politischer Ereignisse über uns hinweg. Zunächst werden die Bürger in den Niederlanden am 15. März ein neues Parlament wählen. Die Umfragewerte sind zwar wechselhaft, dennoch wird die rechtspopulistische Freiheitspartei (PVV) unter Führung von Geert Wilders höchstwahrscheinlich die stärkste Kraft in den Niederlanden werden.

Gleichwohl wird die PVV voraussichtlich nicht die Regierung übernehmen, da fast alle anderen Parteien eine Koalition mit ihr ablehnen. Andererseits könnte es für dieses kleine, aber zunehmend euroskeptische Land schwierig werden, eine Mehrheitsregierung aus anderen, kleineren Parteien zu bilden.

Sorge um Frankreich

Ende April sind dann die Franzosen aufgerufen, einen neuen Präsidenten zu wählen. Auch hier schwanken die Umfragen, deuten aber gleichzeitig darauf hin, dass die rechtspopulistische Partei Front National unter Marine Le Pen die erste Runde für sich entscheiden wird. Bislang werden die Kampagnen einiger Kandidaten, unter anderem von Le Pen, von Streitigkeiten überschattet. Da im zweiten Wahlgang eine Stichwahl erforderlich ist, scheint ein Wahlsieg Le Pens unwahrscheinlich. Dennoch wächst in letzter Zeit die Sorge an den Märkten, wie die Ausweitung des Renditeabstands zwischen französischen und deutschen Anleihen belegt.

Geschürt wurde diese Sorge beispielsweise durch die Gefahr einer Koalition linksgerichteter Parteien. Das würde die Wähler im letzten Wahlgang nicht nur vor die Wahl zwischen zwei Euroskeptikern stellen, sondern auch Le Pens Chancen auf einen Wahlsieg erhöhen. Grund für die Nervosität der Anleger ist die Furcht vor den Auswirkungen eines Wahlsiegs von Le Pen. Ihre Pläne, unter anderem das geplante Referendum über die Zugehörigkeit zur Europäischen Union (EU), würden ernsthafte Fragen über die Zukunft Europas und des Euro aufwerfen und möglicherweise eine Umschuldung der französischen Staatsschulden auslösen.