Kames Capital-Portfoliomanager David Ennett „Von Tesla-Hochzinsanleihen halten wir uns fern“

Tesla-Autohaus in Corte Madera, Kalifornien: Ambitionen des Managements übersteigen Cashflow bei Weitem | © Getty Images

Tesla-Autohaus in Corte Madera, Kalifornien: Ambitionen des Managements übersteigen Cashflow bei Weitem Foto: Getty Images

Einige der besten Hochzinsanleihen kann man gut mit Investoren vergleichen: mauerblümchenartig, zuverlässig und langweilig. Bei Kames Capital halten wir einige Positionen bei Pappkartonherstellern, Bestattungsunternehmen, Konservendosenproduzenten und Zulieferern gelartiger Kapseln mit Wirkstoffen gegen Kopfschmerzen. Glanz und Glamour finden Anleger hier nicht – Sicherheit dagegen schon.

Auf die Probe gestellt wurde unsere Haltung kürzlich durch den US-Elektroautohersteller Tesla, der seine erste konventionelle Hochzinsanleihe begab.

Mit Tesla-Aktien auf Erfolgskurs

Tesla ist zweifelsohne ein beeindruckendes Unternehmen. Die Fahrzeuge sind technologische Wunder, die von Aktieninvestoren hoch bewertet werden. Teslas derzeitiger Aktienkurs impliziert einen Unternehmenswert, der in etwa dem 96-fachen des Unternehmensergebnisses vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (engl.: earnings before interest, taxes, depreciation and amortization, EBITDA) entspricht.

Das EBITDA ist für Hochzinsanleger eine nicht unbedingt perfekte, aber zweckmäßige Kennzahl für Cashflows. Sie zeigt die Cash-Erträge, die ein Unternehmen mit seinem Anlagevermögen erwirtschaftet, abzüglich einer größtmöglichen Anzahl buchhalterischer Faktoren.

Der Wert von Tesla ist wirklich hoch. Zyniker behaupten, dass sämtliche gute Dinge, die dem Unternehmen jemals widerfahren sind oder überhaupt widerfahren können, darin bereits eingepreist sind.

„Zukunft der Autobranche nicht ohne Tesla und BMW denkbar“

Der deutsche Autohersteller BMW beispielsweise hat einen viel niedrigeren EBITDA – dennoch ist das Unternehmen im Bereich konventioneller Luxusfahrzeuge stark positioniert. Egal, welche Richtung die Autoindustrie in Zukunft einschlägt, sie wird es nicht ohne Tesla tun, aber auch nicht ohne BMW. Die Bewertung von BMW mit 61 Milliarden US-Dollar (51,6 Milliarden Euro) und Tesla mit 60,7 Milliarden US-Dollar (51,3 Milliarden Euro) durch den Aktienmarkt ist fast identisch.

In Bezug auf Cashflow und Größe liegen zwischen Tesla und BMW jedoch Welten. Im vergangenen Jahr produzierte Tesla knapp über 76.000 Fahrzeuge. BMW brachte 2.260.000 Autos auf den Markt. Das entspricht einem Verhältnis von 31:1. Der wirkliche Unterschied wird allerdings beim Cashflow deutlich. Was BMWs Cashflow anbelangt, so werden die Aktien mit dem 7,5-fachen des gegenwärtigen EBITDA bewertet. Der Markt ist also fest davon überzeugt, dass Tesla in Zukunft deutlich wachsen wird.

Da die Ambitionen des Tesla-Managements den Cashflow des Unternehmens aktuell deutlich übersteigen, hat es am Hochzinsmarkt eine Anleihe begeben. Damit soll die Lücke zwischen den erforderlichen Investitionen geschlossen werden. Ziel ist, der Bewertung wachstumsmäßig gerecht zu werden.

Tesla-Bewertung beruht auf Spekulationen

Dieses Vorgehen ist mit der Funktion einer Hochzinsanleihe schwer in Einklang zu bringen. Mit einer Investition in Tesla-Anleihen stellen Anleger dem Unternehmen Wachstumskapital zur Verfügung. Hierbei nehmen sie Verlustrisiken in Kauf, werden aber lediglich mit dem Aufwärtspotenzial einer Anleihe belohnt.

Ungeachtet unserer Bewunderung für Tesla finden wir bei Kames Capital keinen Gefallen am Chance-Risiko-Profil der begebenen Tesla-Hochzinsanleihe. Deshalb nehmen wir von einem Kauf Abstand. Wir bevorzugen Unternehmen, die den Cashflow, den wir benötigen, um unsere Zins- und Kapitalrückzahlungen zu leisten, tatsächlich und nicht nur voraussichtlich generieren.