Kampf der Geschlechter

Gelebte Gleichberechtigung: Angela Merkel ist seit 2005 Deutschlands erste Bundeskanzlerin. Foto: Getty Images

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Die Einführung von geschlechtsneutral kalkulierten Versicherungstarifen rückt immer näher, doch für Kunden sind die sogenannten Unisex-Tarife immer noch ein Rätsel. In einer Umfrage des Versicherers Continentale gaben 56 Prozent der Befragten an, dass sie sich über das Thema schlecht informiert fühlen. Die Ergebnisse zeigen aber auch, dass die neuen Regeln für Makler einen idealen Türöffner darstellen. Rund 55 Prozent der Interviewten möchten von ihrem Versicherungsvermittler über die neuen Tarife informiert werden.

Ab 21. Dezember dieses Jahres dürfen Versicherer nur noch Tarife anbieten, die nicht nach dem Geschlecht unterscheiden. Weil Frauen und Männer eine unterschiedliche Lebenserwartung und unterschiedliche Sterbewahrscheinlichkeiten haben, zahlen sie bisher bei vielen Policen auch verschieden hohe Beiträge.

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So müssen Frauen in der Rentenversicherung höhere Prämien zahlen, um auf die gleiche Monatsrente wie männliche Kunden zu kommen. Praxis, nach Geschlecht differenzierte Verträge anzubieten, verstoße gegen den Gedanken der Gleichstellung von Mann und Frau, entschied der Europäische Gerichtshof – und verbot die Bisex-Tarife. Die Umstellung auf die neuen Unisex-Policen läuft derzeit auf Hochtouren.

Puffer beim neuen Preis

Die Kalkulation ist eine schwierige Angelegenheit. „Der Preis der neuen Unisex- Tarife liegt nicht einfach in der Mitte zwischen beiden Geschlechtern“, erklärt Andreas Schulze, Abteilungsleiter im Maklervertrieb Zentralbereich beim Versicherer Allianz. Denn im Bestand befinden sich in den seltensten Fällen genauso viele Männer wie Frauen – und niemand weiß, wie sich der Geschlechtermix in Zukunft entwicken wird.

Deshalb berechnen die Anbieter Sicherheitszuschläge. „Die Prämien werden daher in Richtung des teureren Geschlechts tendieren“, sagt Schulze. Auch wenn die meisten Versicherer nur sehr sparsam Details zu den neuen Tarifen preisgeben, sind Grundtendenzen bereits erkennbar. „Wir gehen davon aus, dass die größten Auswirkungen für Männer bei der Pflegerente zu spüren sein werden, während für Frauen die Risikolebensversicherung erheblich teurer wird“, sagt Stephan Schinnenburg, Geschäftsführer der Rating-Agentur Morgen & Morgen.

Eine Stichprobe der Stiftung Warentest unter elf großen Versicherern hat ergeben, dass Frauen in der Risikolebensversicherung nach der Umstellung auf Unisex zwischen 16 und 55 Prozent mehr auf den Tisch legen müssen, während Männer bis zu 22 Prozent günstiger fahren. Für Letztere verteuern sich dagegen Pflegeversicherungen mit 4 bis 40 Prozent Preiszuschlag am stärksten – Frauen zahlen dagegen bis zu 24 Prozent weniger. In der Berufsunfähigkeitsversicherung zahlen Männer bis zu 35 Prozent mehr, Frauen bis zu 5 Prozent weniger.