Kapitalmärkte Volatiler Herbst in Sicht: Bei Aktien steigt das Risiko

Lukas Daalder, Chief Investment Officer von Robeco

Lukas Daalder, Chief Investment Officer von Robeco

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Aktuell verhalten sich die Finanzmärkte nach dem Motto: Keine Neuigkeiten sind gute Neuigkeiten. Im August war die Volatilität so niedrig wie in keinem anderen Monat im laufenden Jahr. Interessanterweise galt das für alle wichtigen Anlageklassen.

So erreichten der VIX, der die in Derivaten auf den US-Aktienmarkt implizierte Volatilität misst, der für US-Anleihen geltende MOVE und sogar der auf Währungsschwankungen bezogene CVIX ihren Jahrestiefstand jeweils Anfang August. Die Renditen 10-jähriger US-Staatsanleihen bewegten sich im August im engsten Band seit fast zehn Jahren. Anfang September wies der Aktienindex S&P 500 seit 40 Handelstagen keine stärkere Tagesschwankung von mehr als einem Prozent auf. Volatilität stellte an den Finanzmärkten also die geringste Sorge dar.

Weder Ölpreis noch Geldpolitik bewegen den Markt derzeit

Der Grund für diesen Rückgang der Volatilität liegt schlichtweg darin, dass in den letzten beiden Monaten die Themen fehlten, die den Markt hätten bewegen können: Der Ölpreis schwankt seit nunmehr vier Monaten zwischen 42 und 50 US-Dollar pro Barrel, gleichzeitig verharrten die Notenbanken in einer abwartenden Haltung. Die Notenbanker versuchten aus den Wirtschaftsdaten abzulesen, ob sie wie im Fall der US Federal Reserve die Leitzinsen anheben können, oder ob wie bei der Bank of Japan noch mehr monetäre Anreize nötig sind. Die entsprechenden Analysen fielen nicht sonderlich schwer, da die meisten Daten den Annahmen entsprachen und keine eindeutigen Signale für zu erwartende Änderungen der Geldpolitik lieferten.

Darüber hinaus endete die Gewinnberichterstattung für das zweite Quartal ohne Überraschungen, größere politische Ereignisse blieben aus und auch in finanzieller Hinsicht geschah nichts Weltbewegendes. Die italienischen Banken existieren noch, Großbritannien ist nach wie vor in der EU, Griechenland gehört weiterhin zum Euroraum – all das trug dazu bei, die Kapitalmärkte in einen spätsommerlichen Schlummer verfallen zu lassen.

Niedrige Volatilität kommt Aktienmärkten zugute

Sollten Anleger sich angesichts der fehlenden Kursschwankungen Sorgen machen?

Einerseits: nein. Phasen mit niedriger Volatilität gab es auch früher schon. Sie dauern für gewöhnlich nicht länger als zwei Monate. Gefährlicher sind längere Zeiträume mit geringen Kursschwankungen, da sie ein falsches Gefühl von Sicherheit vermitteln und Anleger dazu verleiten, mehr Risiko einzugehen. Allerdings dürften Anleger sich nach der hohen Volatilität zu Jahresbeginn der Risiken bewusst sein, sodass hier aktuell nicht die Hauptgefahr liegt.