Kein Kapitalerhalt, kein Inflationsschutz „Als Portfoliomanager kann ich Gold nicht empfehlen“

Jakub Hodek, Portfoliomanager von Eyb & Wallwitz, investiert nicht in Gold. | © Foto: Sebastian Widmann

Jakub Hodek, Portfoliomanager von Eyb & Wallwitz, investiert nicht in Gold. Foto: Foto: Sebastian Widmann

DAS INVESTMENT: Gold gilt als Sicherheitsanker im Depot, als Krisenschutz. Doch seit dem Hoch im Jahr 2012 ist der Preis um rund 30 Prozent gefallen, in US-Dollar gerechnet. Wie passt das zusammen?

Jakub Hodek: Betrachtet man die Stressphasen in den vergangenen Jahren, kann Gold durchaus als Absicherung dienen. Während der letzten großen Finanzkrise im Jahr 2008 beispielsweise sank der US-Aktienindex S&P 500 um 19,8 Prozent, US-Staatsanleihen verloren 2,2 Prozent und amerikanische Hochzinsanleihen 10 Prozent. Der Goldpreis stieg um 8,2 Prozent. Allerdings gilt das immer nur für genau den Zeitraum der Krise. Investoren hätten also den perfekten Zeitpunkt für den Ein- und Ausstieg erwischen müssen. Das Timing ist bei Gold der entscheidende Faktor. Aber das ist ja bekanntlich eher schwierig. Außerdem: Wer das Timing beherrscht, bräuchte auch kein Gold mehr im Portfolio. Im Gegenteil, man könnte direkt von den fallenden Kursen profitieren und deutlich mehr Rendite erzielen als mit dem Edelmetall.

Und außerhalb dieser Krisenzeiten?

Hodek: Da schwankt der Goldpreis recht stark. Investoren können gewinnen, aber auch verlieren. In den vergangenen fünf Jahren hat man beispielsweise 30 Prozent verloren. Die Amazon-Aktien hat im selben Zeitraum ein Plus von 530 Prozent gemacht. Da das perfekte Timing von Krisen nicht möglich ist, verlieren Investoren auf der Seite der Opportunitätskosten daher sehr viel. Langfristig sind Aktien und Hochzinsanleihen darum deutlich attraktiver.

Gold gilt auch als Inflationsschutz. Ist das belegbar?

Hodek: Unserer Meinung nach nicht. Der Goldpreis müsste dann ja steigen, wenn die Inflation, also das Preisniveau, steigt und umgekehrt. Und zwar mindestens genauso stark. Wenn man aber das Verhältnis aus Goldpreis und Inflation in den USA über die vergangenen 55 Jahre betrachtet, sieht man, dass es zwar durchaus einen Durchschnittswert gibt, dieser aber keineswegs stabil ist und starken Schwankungen unterliegt. Und das nicht nur kurzfristig. Von 1988 bis 2001 beispielsweise ist das Verhältnis gesunken. In diesem Fall ist  der Goldpreis deutlich stärker gefallen als das Preisniveau. Von Kapitalerhalt kann also nicht die Rede sein.

Wie sah es denn in diesem Zeitraum mit der Rendite der anderen Asset-Klassen aus? War Gold relativ gesehen doch ein Schutz?

Hodek: Wenn wir die Opportunitätskosten betrachten, also beispielsweise die reale Rendite von zehnjährigen US-Staatsanleihen und die Entwicklung des Goldpreises, sehen wir zwar, dass wenn die Rendite der Staatsanleihen steigt, der Goldpreis tendenziell fällt und umgekehrt. Es gibt aber keinen statistisch signifikanten Zusammenhang. Auch hieraus kann man keinen Inflationsschutz von Gold folgern.