Keine Papiere zum Verkauf Unwillige Investoren gefährden Draghis Anleihekäufe

EZB-Chef Mario Draghi (Foto: Getty Images)

EZB-Chef Mario Draghi (Foto: Getty Images)

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Der Euroraum versucht eine schleichende Deflation zu verhindern. Deutschland stellt Sparen über alles und will weniger Lockerungen. Und Griechenland fordert eine Neuverhandlung der Bedingungen für sein Rettungspaket - ein Schritt, der das Risiko beinhaltet, dass die Euro-Währungsunion auseinanderbricht.

Jetzt kommt noch ein weiteres Problem für den Präsidenten der Europäischen Zentralbank hinzu: Sein beispielloses Vorhaben, den Euroraum durch den Ankauf von Staatsanleihen im Volumen von 1,1 Billionen Euro aus der wirtschaftlichen Malaise zu ziehen, könnte noch vor seinem Beginn lahmgelegt werden.

Der Grund: Ein Mangel an neuen Anleiheemissionen und unwillige Investoren, die keine Papiere verkaufen wollen. Die US-Bank Morgan Stanley schätzt, dass das Nettoneuemissionsvolumen der Staaten erstmals negativ sein wird, wenn der EZB-Plan berücksichtigt wird. Die daraus resultierende Knappheit macht ein Horten der sichersten Staatspapiere des Euroraums durch Banken, Versicherer und Pensionsfonds geradezu unvermeidlich. Und das dürfte die EZB daran hindern, innerhalb von 19 Monaten in etwa den gleichen Anteil an diesen Anleihen aufzukaufen wie es die US-Notenbak Federal Reserve in fast sechs Jahren mit Treasuries getan hat.

EZB wird wahrscheinlich Probleme bei ihren Käufen haben


“Wenn offenbar wird, dass die EZB Probleme damit hat, ein ausreichendes Volumen an Bonds aufzukaufen, wird noch unwahrscheinlicher, dass irgendjemand verkaufen will”, sagt Michael Riddell, Vermögensverwalter bei M&G Group in London. Er hat seinen Kunden bereits gesagt, das die EZB wahrscheinlich Probleme bei ihren Käufen haben wird. “Das würde ihre Pläne, die Inflation wieder anzuschieben, zunichte machen.”

Das Programm sei sorgfältig abgewogen worden, um das Volumen der unterschiedlichen Bondmärkte zu berücksichtigen, erklärte ein EZB-Sprecher am Montag per E-Mail. Die Zentralbank sei in keiner Weise in Sorge über ihren Erfolg und die operativen Einzelheiten würden regelmäßig bewertet, erklärte der Sprecher.

Zwar steht die EZB vor den gleichen ökonomischen Risiken wie in den USA, als die Federal Reserve mit ihrer quantitativen Lockerung (QE) durch Anleihekäufe begann. Doch hat sich der globale Bondhandel seither verändert.

Ein gespannteres Verhältnis von Angebot und Nachfrage hat die Kurse hochgetrieben. Das hat dazu beigetragen, die Renditen in Europa auf Rekordtiefs zu drücken, und mittlerweise weisen Staatspapiere im Volumen von 1,2 Billionen Euro eine Rendite unter null auf. Das macht die Investoren, die die Papiere halten, noch abgeneigter zu verkaufen.

Institutionelle Kunden werden nicht verkaufen

“Wir haben institutionelle Kunden, die verzweifelt nach Rendite suchen”, sagt Franck Dixmier, Investmentchef für Festverzinsliche bei Allianz Global Investors in Paris. “Sie werden nicht verkaufen. Was für einen Pensionsfonds oder einen Versicherer wirklich zählt, ist die Rendite zum Zeitpunkt des Kaufs der Papiere - und für diese Investoren stellt sich auch die Frage der Wiederanlage.”