Keine „Poker-Rente“ Fidelity-Spezialist über Garantieverzicht in der bAV

Michael Hennig, stellvertretender Leiter Investment- und Pensionslösungen bei Fidelity International

Michael Hennig, stellvertretender Leiter Investment- und Pensionslösungen bei Fidelity International

Die Kommentare zum Betriebsrentenstärkungsgesetz (BRSG) hätten kaum unterschiedlicher sein können. Während die einen die Reform der Betriebsrenten als „Stückwerk“ oder sogar „Rohrkrepierer“ kritisierten, schwärmten andere von „Revolution“ oder „seit langem das Beste, was die Politik zum Thema Rente vorgelegt hat“.

Auch wir sehen in der überfälligen Reform deutlich mehr Licht als Schatten. Denn Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände haben im beschlossenen Sozialpartnermodell nun endlich die Möglichkeit, mit einer so genannten reinen Beitragszusage Zielrenten für die Arbeitnehmer zu vereinbaren. Erstmals wird somit auf Garantien und Mindestleistungen in der betrieblichen Altersvorsorge (bAV) verzichtet. Das läutet einen wichtigen Wandel in der bAV ein.

Garantien geben vermeintliches Sicherheitsgefühl – aber keine Sicherheit

Die Arbeitnehmer werden profitieren, weil das eingezahlte Kapital künftig eine höhere Rendite erzielen kann. Denn da der Arbeitgeber seinen Beschäftigten im Sozialpartnermodell keine feste Rentenhöhe mehr zusagt, können die Beiträge stärker als bisher in chancenorientierte Anlageformen, wie zum Beispiel Aktien, fließen. Das ist wichtig und richtig. Denn im anhaltenden Niedrigzinsumfeld können wir uns Garantien schlicht nicht mehr leisten. Garantien bieten nicht mehr das Maß an Sicherheit, wie es für eine besitzstandwahrende Rente notwendig ist. Im Gegenteil: Sie verhindern, dass zusätzliches Kapital zur Schließung der Rentenlücke aufgebaut werden kann.

Wie negativ sich Zinsgarantien auswirken, zeigt die Studie „Garantiekosten in der Altersvorsorge“ der Frankfurt School of Finance & Management. In einer Beispielrechnung nehmen die Wissenschaftler an, dass eine 25-jährige Anlegerin bis zu ihrem Renteneintritt mit 67 Jahren jeden Monat 50 Euro in einen Sparplan einzahlt. Über eine Laufzeit von 42 Jahren investiert sie also insgesamt 25.200 Euro. In einem Sparplan mit Garantie hätte sie mit 67 Jahren im Schnitt rund 170.000 Euro erwirtschaftet. Mit einem vergleichbaren Sparplan ohne Garantie würde sie dagegen ein durchschnittliches Endvermögen von 230.000 Euro erzielen – 60.000 Euro mehr als mit der Garantie.