Kenias Notenbankchef Der Notenbankgouverneur, der sich nichts aus Geld macht

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Als Patrick Njoroge vor sechs Monaten an die Spitze der Central Bank of Kenia kam, interessierte sich die kenianische Öffentlichkeit überraschenderweise kaum für seine neue Aufgabe und wie er die geldpolitischen Geschicke des ostafrikanischen Landes zu leiten gedenkt. Alle interessierten sich aber für das Privatleben des 54-jährigen.

Und das hat in der Tat vor allem Verzicht zu bieten. Njoroge gehört der katholischen Organisation Opus Dei an, und er verschmäht als solcher weitgehend die weltlichen Annehmlichkeiten, die das Leben als Notenbankpräsident auch in Kenia mit sich bringt. Ein eigenes Anwesen und einen Dienstwagen nutzt er nicht, sondern er wohnt mit sechs anderen Glaubensbrüdern im Geiste von Opus Dei in einem schlichten Stadthaus in der Hauptstadt Nairobi. Eine First Lady der Zentralbank gibt es ebensowenig. Njoroge führt ein Leben im Zölibat.

„Seit 20 Jahren beschäftige ich mich mit ökonomischen Fragen", erklärt Njoroge mit entwaffnender Bescheidenheit in seinem ersten Interview seit dem Amtsantritt im Juni mit Bloomberg in Kapstadt, wo er sich am Rande des Afrika-Besuchs von Papst Franziskus äußerte: „Mich hat vor allem überrascht, wie groß das Interesse der Öffentlichkeit an meinem Privatleben ist. Das hatte ich nicht erwartet".

Njoroge war selbst in seinem Heimatland Kenia eher unbekannt, als Staatspräsident Uhuru Kenyatta ihn als neues Oberhaupt der Notenbank auserwählte. Er ist kein Eigengewächs der Bank of Kenya, sondern hatte zwei Jahrzehnte in Washington beim Internationalen Währungsfond IWF verbracht, zuletzt als Berater des Vizechefs Mitsuhiro Furusawa.

Seine beim IWF gesammelten Erfahrungen mit krisenerschütterten Ländern - von Osteuropa bis Afrika - qualifizieren ihn bestens für die neue Position. Mit der erwarteten Zinswende in den USA können auf Schwellenländer wie Kenia durchaus neue Turbulenzen zukommen.