Klaus Biermann über den harten Stellenmarkt im Finanzsektor

Klaus Biermann, Headhunter und Geschäftsführer der Biermann Partners.

Klaus Biermann, Headhunter und Geschäftsführer der Biermann Partners.

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DAS INVESTMENT.com: Sie haben zwei kleine Söhne. Sollen die später mal in der Finanzbranche arbeiten?

Klaus Biermann: Ich halte es da wie die meisten Eltern und mache keine Vorgaben. Hauptsache, der zukünftige Beruf macht sie glücklich, und sie widmen sich immer mit Leidenschaft und vor allem Freude ihren Aufgaben. Ich werde aber versuchen, ihnen die positiven Seiten der Finanzindustrie schmackhaft zu machen. Und da gibt es sehr viele.

DAS INVESTMENT.com: Tatsächlich? Um das Renommee der Branche war es schon mal besser bestellt.

Biermann: Das ist richtig. Daran ist die Branche teilweise leider auch selber schuld. Kurzfristig die Profite steigern und dabei die Kunden nachhaltig beraten, das ist nur schwer miteinander vereinbar. Es hat sich aber schon vieles verbessert und geändert, was zu wenig gesehen wird. Das breite „Banker Bashing“ ist eine große Gefahr für die Industrie und den Finanzstandort Deutschland. So passiert es immer öfter, dass Personen, die ein Super-Abi machen und familiär keinen Bankbezug haben, heute eher in die Industrie gehen als zu einer Bank. Das war vor einigen Jahren noch anders.

DAS INVESTMENT.com: Die Bankenwelt ist der Realwirtschaft entrückt.

Biermann: Das ist zumindest ein gängiges Urteil. Natürlich mag es am Ende des Tages interessanter sein, eine Ware in der Hand zu haben oder für deren Produktion und Vermarktung verantwortlich gewesen zu sein. Aber Finanzhäuser sind ein Teil dieser Wertschöpfungskette. Es geht nicht ohne Banken, und dies wird auch so bleiben. Schade wäre es, wenn nur noch ausländische Anbieter interessante und komplexe Produkte und  Lösungen anbieten können und die deutsche Industrie an deren Nabel hängt.

DAS INVESTMENT.com: Vor welchen Herausforderungen steht der Stellenmarkt für Führungskräfte in der Finanzbranche?

Biermann: Der regulatorische Wahnsinn hat das Bankgeschäft sehr direkt und negativ beeinflusst – keineswegs im Sinne des Endkunden. Der Kostendruck ist massiv gewachsen, und gleichzeitig verschiebt sich das klassische Bankgeschäft immer mehr zu einer biederen Plattform ohne Persönlichkeit und Kundennähe. Eine moderne IT ist in Zukunft der Schlüssel zum Erfolg. Im Asset Management findet derzeit eine starke Verdrängung statt, obwohl diese durch das positive Marktumfeld und steigende Aktienmärkte etwas aufgeschoben wurde. Sie wird aber kommen. Nur nachhaltige Geschäftsmodelle werden sich durchsetzen und halten.

DAS INVESTMENT.com: Mit welchen Auswirkungen auf Ihr Geschäft?

Biermann: Wir sind froh, dass wir sehr früh den Trend der fast schon extremen Spezialisierung erkannt haben. Es herrscht trotz allem Negativen sehr viel Bewegung auf dem Stellenmarkt. Es fliegt einem aber auch nichts mehr zu. Heute müssen alle viel mehr „beißen“. Die Kunden, die Kandidaten und wir auch. Für uns heißt das, dass es längst nicht mehr reicht, ein solides Netzwerk zu haben. Man muss dem Kunden mehr liefern können, um ein wertvoller Partner zu sein.