Können ETFs zusammenbrechen?

Trader an der Börse Chicago gibt ein Angebot<br/>für den Standard & Poor's 500 Index-Future ab.<br/>Foto: Getty Images

Trader an der Börse Chicago gibt ein Angebot
für den Standard & Poor's 500 Index-Future ab.
Foto: Getty Images

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ETF-Kolumne von Detlef Glow, Thomson Reuters

Tatsächliche und selbst ernannte Experten in den USA diskutierten vor kurzem über einen möglichen Zusammenbruch von ETFs, falls es zu viele Short-Wetten auf diese Produkte gebe. Grundlage dafür war der Aufsatz "Can an ETF collapse" des Analysehauses Bogan Associates vom 15. September 2010.

Die Autoren schrieben: Übersteige das Volumen der Short-Wetten das der vom Anbieter ausgegebenen Fondsanteile, und die Short-Seller müssten sich irgendwann mit Fondsanteilen eindecken, seien möglicherweise nicht genug Anteile dafür da.

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Oder noch extremer: Wenn plötzlich alle Anleger ihr Geld aus diesem ETF abzögen, seien plötzlich gar keine Stücke mehr für die Short-Investoren da, um sich einzudecken.

Kollaps-Szenario beruht auf einer völlig falschen Annahme

Dieses Szenario beruht auf einer völlig falschen Annahme, nämlich dass ETF-Anteile – wie Aktien – nur in begrenztem Maße verfügbar sind. Tatsächlich können bestimmte Market Maker aber täglich Anteile schaffen und wieder auflösen.

Zudem regelt der Verkaufsprospekt des erwähnten ETFs, dass ein Anleger, der seine ETF-Anteile an einen anderen Marktteilnehmer ausgeliehen hat, diese nicht an den Anbieter zurückgeben kann.

Außerdem können ETF-Anbieter die Rücknahme von Anteilen bei Liquiditätsengpässen jederzeit aussetzen. Trotzdem nahm der britische Fernsehsender CNBC die Diskussion dankbar auf und verstärkte sie, ebenso einige ETF-Internetseiten.

"manager magazin" kritisiert ETFs

Währenddessen beklagte sich das deutsche "manager magazin" in einem Beitrag vom 1. Oktober 2010 darüber, dass ETFs die Stimmrechte ihrer Aktien nicht wahrnehmen würden. Und es bemängelte, dass das Fehlen aktiver Investoren die Bildung fairer Preise an den Wertpapiermärkten erschwere.

Der Autor hat insofern recht, als dass ETF-Anbieter ihre Stimmrechte in der Regel nicht wahrnehmen. Aber leider vergisst er zu erwähnen, dass das auch für viele aktive Fondsmanager gilt.