Kommentar aus der Redaktion Bitte mehr Mut zur Schwäche und zur Lücke

Redakteur Andreas Harms findet Jubel-Arien oftmals sehr ermüdend | © Kasper Jensen

Redakteur Andreas Harms findet Jubel-Arien oftmals sehr ermüdend Foto: Kasper Jensen

Stellen Sie sich vor: Sie gehen durch einen Park. Links sitzt ein Pärchen und knutscht hemmungslos. Rechts sitzt ein anderes Paar und fetzt sich, bis sich die Ehe biegt. Gewissensfrage: Wo schauen Sie hin? Eben.

Auch bei unserer jüngsten Artikelserie über die Schaufenster-Fonds der DWS fällt das Ergebnis eindeutig aus. Die beiden Texte über die schwächelnden Klassiker Top Dividende und Concept Kaldemorgen zogen Leser an. Offenbar war das Thema interessant. Ein weiterer Beitrag über den wieder besser laufenden DWS Vermögensbildungsfonds I fand nur gemäßigten Anklang. Kaum jemand wollte wissen, wie Fondsmanager Andre Köttner das Milliardenvehikel zurück in die Spur brachte. Obwohl auch das höchst spannend ist.

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Es ist wie immer im Mediengeschäft, aber auch im Leben: Läuft etwas gut, wird es schulterzuckend zur Kenntnis genommen, interessiert aber nicht weiter. Richtig spannend wird es erst, wenn mal etwas kräftig in die Hose geht. Ist nicht schön, aber menschlich. Wenn ich zwei Fonds im Depot habe, will ich zunächst wissen, warum der eine mies läuft, und erst danach, warum der andere gut abschneidet.

Viele Fondsgesellschaften haben das noch nicht verstanden. Immer wieder sorgt es für verstörte Gesichter in Presseabteilung und Vertrieb (bei den Fondsmanagern selbst gar nicht mal so), wenn man in Interviews und Anfragen in den Schwächen von Gesellschaft und Fonds herumbohrt. Immer wieder versuchen deren Mitarbeiter auszuweichen und flüchten sich in Prahlereien. Immer wieder wollen sie ihre gut laufenden Fonds in den Vordergrund rücken, anstatt ehrlich über die Durchhänger zu reden.

Aber genau darüber wollen Anleger auch etwas erfahren. Sie wollen wissen, warum ihr Fonds gerade nicht hält, was sie sich von ihm versprochen haben. Und vor allem: Ob und wann es wieder besser wird. Keine billigen Durchhalteparolen, kein Pfeifen im Wald – einfach nur sachliche Informationen. So wie es die DWS übrigens beim Top Dividende und Concept Kaldemorgen gemacht hat.

Mut zur Lücke, liebe Fondsanbieter! Über Schwächen zu reden, ist nicht peinlich. Im Gegenteil: Es zeugt von Größe und Ehrlichkeit und schafft am Ende mehr Vertrauen als irgendwelche auf Erfolg gebürsteten Hauspostillen. Versuchen Sie es einfach mal! Tut auch (fast) nicht weh.