Kommentar Ein Robo-Berater ist billig, aber er geht nicht ans Telefon

Robo-Advisor. Foto: Getty Images

Robo-Advisor. Foto: Getty Images

// //

Automatisierte Finanzdienstleistungen oder Robo-Berater sind Softwareprogramme, die Algorithmen verwenden, um das zu machen, was sonst Berater aus Fleisch und Blut machen - und das zu weitaus geringeren Kosten. Die Startup-Firmen, die dieses neue Segment geschaffen haben, glauben, dass Robo-Berater auf einem 20-Billionen-Dollar-Markt die Karten neu mischen und Millionen Anlegern Zugang zu Kenntnissen geben können, die sich bislang nur Gutbetuchte leisten konnten.

Bis jetzt ist die wichtige Frage noch unbeantwortet, ob Robo-Berater ihre menschlichen Konkurrenten auch bei andere Faktoren als dem Preis schlagen können. Dennoch: Die großen Akteure sind zu dem Schluss gekommen, dass die Idee vielversprechend genug ist, um gegen die Neulinge in diesem Spiel anzutreten.

2014 verwalteten Robo-Berater in den Vereinigten Staaten noch Vermögen von 16 Milliarden Dollar (14 Milliarden Euro). Bis Ende 2015 war diese Summe bereits auf 50 Milliarden Dollar angeschwollen. Einer Schätzung zufolge wird der Markt bis 2020 auf 2,2 Billionen Dollar wachsen. Startups wie Wealthfront aus dem Silicon Valley oder Betterment aus New York waren Pioniere auf dem Gebiet, aber mittlerweile wird das neue Wachstum von den traditionellen Riesen der Vermögensverwaltung getrieben. Charles Schwab brachte im März 2015 einen automatisierten Service heraus. Vanguard kam im Mai letzten Jahres mit einem gemischten Mensch-Maschine-Dienst, der in den ersten acht Monaten 12 Milliarden Dollar anlockte. Fidelity testet derweil automatisierte Portfoliodienste für ihre bestehende Kundschaft. Und BlackRock, größter Vermögensverwalter der Welt, vereinbarte im August den Kauf von FutureAdvisor. Banken wie Bank of America, Morgan Stanley oder Wells Fargo entwickeln derzeit Technologien für die Online-Investmentberatung, die dieses Jahr auf den Markt kommen sollen. Auch in Europa und Asien entwickelt sich die Technologie. Wealthfront und Betterment reagieren mit neuen Features, und ein weiteres Startup, Financial Guard, geht Partnerschaften mit Kreditgenossenschaften ein. Im März holte Betterment 100 Millionen Dollar an Investorengeldern herein und erhöhte seine Bewertung auf 700 Millionen Dollar.