Kommentar „Schwindelgefühl auf dem Fonds-Karussell“

Kommentar: „Schwindelgefühl auf dem Fonds-Karussell“ | © Frank Zienert

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Jörg Wiechmann, Geschäftsführer des Itzehoer Aktien-Clubs (IAC)

Es gibt nicht nur die selbsternannten Wahrsager, die gegen saftige Gebühren so tun, als könnten sie in die Zukunft schauen. Anlegern kann auch schnell schwindelig werden: Das Fonds-Karussell nimmt wieder Fahrt auf, angetrieben vom Kursanstieg der Vorjahre. Im ersten Quartal 2017 wird die Zahl neuer Fonds voraussichtlich erstmals seit langem wieder dreistellig sein. Das Dumme ist nur: Meistens fällt die Karussell-Fahrt kurz aus.

Eine Studie der Rating-Agentur Scope zeigt: Rund ein Drittel aller Fonds überleben keine drei Jahre. Aktienfonds halten durchschnittlich 7,5 Jahre durch – ziemlich wenig für eine Anlageform, die schon laut den gesetzlichen Warnhinweisen als langfristiges Instrument gedacht ist. Für Investoren sind neue Fonds deshalb oft ein ebenso kurzes wie verlustreiches Vergnügen. Allein im Jahr 2009 sind auf dem Höhepunkt der Finanzkrise hierzulande mehr als 600 Fonds geschlossen worden, die Betreiber des Fonds-Karussells dagegen verdienten gut.

Jetzt werden die Marktschreier wieder lauter, was sich an verstärkter Fernsehwerbung der Fondsgesellschaften von Sparkassen und Volksbanken zeigt. Mein Rat für Anleger: Immer kritisch bleiben. Gute Anlagestrategien werden selten neu erfunden, sondern existieren meist schon seit Jahrzehnten.