Kommentar von Ökonom Peter Bofinger „Riestern war gestern“

Volkswirt Peter Bofinger ist außerdem Mitglied des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. Foto: Getty Images

Volkswirt Peter Bofinger ist außerdem Mitglied des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. Foto: Getty Images

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Volkswirt Peter Bofinger verpasst der privaten Altersvorsorge zum Einstieg seines Kommentars bei der Hannoverschen Allgemeinen die Note 6. Alle Anstrengungen zur privaten Vorsorge hätten nicht zum gewünschten Effekt geführt. Auch Vorschläge wie die Lebensleistungsrente oder die Ausweitung der betrieblichen Altersvorsorge würden den Herausforderungen nicht gerecht.

„Was fehlt ist ein Gesamtkonzept für ein nachhaltiges System der Altersvorsorge. Unter wahltaktischen Aspekten wurden und werden großzügige Geschenke verteilt – der Spielraum für gute Lösungen wird damit jedoch immer geringer“, schreibt der Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Würzburg.

Das Umlagesystem wird unterschätzt


Es müsse darum gehen, die gesetzliche Rente zu stärken. „Das Umlagesystem, bei dem die Erwerbstätigen einen Teil des Einkommens in einen Topf geben, aus dem die Renten finanziert werden, ist im Prinzip eine geniale Erfindung“, schreibt Bofinger weiter. Bei extrem geringen Kosten beteilige es die Aktiven an den Erträgen des Humankapitals der Zukunft. Renditen von rund 3 Prozent könnten sich im heutigen Nullzinsumfeld auch durchaus sehen lassen, meint er.

Um das System zu stärken, schlägt Der Volkswirt vor, Selbstständige als Pflichtzahler in die gesetzliche Rentenversicherung aufzunehmen. Ein Umlagesystem, so seine Begründung für diesen Schritt, funktioniere nur bei möglichst vielen Einzahlern. Einbezogen werden sollten dabei alle Selbstständigen, die über keine geregelte Altersvorsorge verfügen. Bei Berufen mit berufsständischen Versorgungseinrichtungen würde die Versicherungspflicht nur für Berufsanfänger gelten.