Kommentar zum Terminmarkt „Investment in Volatilitäts-Futures war fatal“

Handelssaal der Chicago Board Options Exchange (CBOE): An der US-Terminbörse wird täglich der CBOE Volatility Index (Vix) veröffentlicht. | © Getty Images

Handelssaal der Chicago Board Options Exchange (CBOE): An der US-Terminbörse wird täglich der CBOE Volatility Index (Vix) veröffentlicht. Foto: Getty Images

Marc-Oliver Lux, Co-Geschäftsführer bei Dr. Lux & Präuner in München

Die Vermutung lag nahe, dass die lange zu beobachtenden niedrigen Kursschwankungen (nicht nur am Aktienmarkt, sondern auch in vielen anderen Marktsegmenten) kein Dauerzustand bleiben würden, zumal die Luft für positiv überraschende Konjunkturdaten gefühlt dünner wird.

Trotzdem blieb die Frage, wann wieder Bewegung in den Markt kommt, über Monate hinweg unbeantwortet.

Konzepte regelrecht zerrissen

Die explosionsartige Auflösung dieser Sondersituation hat dann aber auch wieder viele überrascht. Die Kursverluste am Aktienmarkt mögen unschön sein, richtig übel hat es die Marktteilnehmer am Terminmarkt erwischt, die sich auf Wetten auf die Marktschwankung, sprich „Volatilität“, eingelassen haben. Hier hat es einige Konzepte regelrecht zerrissen.

Hier nochmal im Vergleich: Der Aktienindex S&P 500 verlor Anfang Februar innerhalb eines Tages stolze 4,1 Prozent. In den letzten zehn Jahren kam dies aber immerhin 24 Mal vor, das heißt alle 109 Handelstage.

Viel heftiger hingegen traf es den Vix. Der Vix misst die kurzfristig erwartete Volatilität basierend auf Optionen auf den S&P 500. Am Montag verzeichnete der Vix den absolut und prozentual höchsten gemessenen Anstieg seit Beginn der Indexgeschichte. Und das, nachdem sich der Vix zuvor über Wochen hinweg auf historisch niedrigem Niveau befand.

Heftiger Anstieg der Volatilität

Doch was ist der Grund für diesen heftigen Anstieg der Volatilität? Normalerweise gibt es einen linearen Zusammenhang zwischen den täglichen Änderungen der Volatilität und der Entwicklung am Aktienmarkt.

Ein Anstieg der Volatilität erfolgt dann, wenn es Unsicherheiten über die Bewertung an den Aktienmärkten gibt. Diesmal jedoch muss es noch einen anderen Grund für das Ausmaß der Bewegung gegeben haben, denn der Anstieg der Volatilität war wesentlich ausgeprägter als es zuvor mit Kursverlusten des S&P hätte erklärt werden können.

Vix führte gewisses Eigenleben

Der Vix führte sozusagen ein gewisses Eigenleben. Vieles spricht dafür, dass die Ursache ein sogenannter „Short Squeeze“ war. Dieser wird dadurch verursacht, dass Akteure, die Volatilität verkauft („geshortet“) haben und damit auf einen Rückgang der Volatilität setzten, durch einen Anstieg der Volatilität dazu gezwungen wurden, ihre Positionen einzudecken.

Die Nachfrage ist dann plötzlich so groß, dass der Vix massiv ansteigt, obwohl das auf Basis der zugrundeliegenden Kursbewegung des S&P 500 gar nicht angebracht ist.

Über Futures Volatilität verkauft

Im Falle einiger ETNs (Exchange Traded Notes), die am Terminmarkt über Futures Volatilität verkauft haben, war das fatal, denn die Papiere sackten im nachbörslichen Handel um über 80 Prozent ab, so dass der gesamte Net-Asset-Value liquidiert werden musste, was den Anstieg des Vix wiederum verstärkte.

Bei einem solchen Event (Kursverlust von 80 Prozent) hat der Emittent nämlich das Recht, das Produkt abzuwickeln. Genau das wird geschehen. Ob es am Ende der Abwicklung überhaupt noch Geld gibt, ist ungewiss. Eine Chance auf Besserung gibt es nicht mehr, obwohl sich der Vix mittlerweile wieder auf deutlich tieferen Niveaus eingependelt hat.

Unsere Einschätzung: Anleger können jetzt nicht mehr ganz so bequem in diese Art der Anlage investieren. Die zwei größten ETNs werden wohl geschlossen. Und ob nach dieser Erfahrung (der Markt für Vola Shorts wurde so groß, dass er sich praktisch selbst besiegte) gleich wieder neue Produkte auf den Markt kommen, darf man bezweifeln.