Konjunkturausblick Deutsche Wirtschaft geht mit Rückenwind in turbulentes Jahr

EZB-Präsident Mario Draghi | © Getty Images

EZB-Präsident Mario Draghi Foto: Getty Images

Deutschland ist unter den weltweit größten Industriestaaten das erste Land, das seine Wirtschaftsleistung vom vergangenen Jahr bekanntgibt. Von Bloomberg befragte Volkswirte rechnen für 2016 mit einem Anstieg des deutschen Bruttoinlandsprodukts um 1,8 Prozent, nicht zuletzt dank einer Konjunkturbelebung gegen Ende des Jahres. Es wäre die höchste Wachstumsrate seit 2011 und würde den für den Euroraum erwarteten BIP-Zuwachs von 1,6 Prozent in den Schatten stellen.

Die rekordniedrige Arbeitslosigkeit und ein sich besserndes Geschäftsklima zeugen von der Stärke der deutschen Wirtschaft, die auf ein womöglich turbulentes Jahr zusteuert. Neben der Bundestagswahl im Herbst stehen beispielsweise auch die Verhandlungen über die Bedingungen für einen Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union an.

Das Land hat auch von den beispiellosen geldpolitischen Lockerungen der Europäischen Zentralbank profitiert, die EZB-Präsident Mario Draghi im vergangenen Monat bis mindestens Ende dieses Jahres verlängert hat.

„Rückblickend ist klar, dass die deutsche Wirtschaft von den öffentlichen und privaten Ausgaben angetrieben wurde, was auf einen robusteren Arbeitsmarkt, höhere Löhne und eine sehr niedrige Inflation zurückgeht“, sagte Ökonom Andreas Rees von UniCredit Bank in Frankfurt. „Die Risiken sind dieses Jahr eindeutig nach oben gerichtet.“

Das Statistische Bundesamt wird die BIP-Daten für das Gesamtjahr 2016 am Donnerstag bekanntgeben, dabei gibt Destatis in der Regel auch eine Einschätzung zur Entwicklung im vierten Quartal ab. Die Schätzung dürfte eine klare Belebung der Wachstumsdynamik aufzeigen: Volkswirte rechnen im Median mit einer Verdopplung der Zuwachsrate gegenüber dem Vorquartal auf 0,4 Prozent. 

Jüngste Daten

Die jüngsten Konjunkturdaten haben ein positives Bild gezeichnet, was womöglich den Boden für positive Überraschungen bereitet, sagte Ökonom Andreas Scheuerle von der Dekabank in Frankfurt. Die Bundesbank geht davon aus, dass die deutsche Wirtschaft im vierten Quartal einen „deutlich höheren Gang“ eingelegt hat, angetrieben von Industrie und privatem Konsum.

Die Industrieproduktion war im November den zweiten Monat in Folge gestiegen, das Geschäftsklima hellte sich im Dezember so stark auf wie seit fast drei Jahren nicht mehr und eine Umfrage unter Einkaufsmanagern signalisierte, dass das verarbeitende Gewerbe und der Dienstleistungssektor zum Jahresende die höchste Wachstumsdynamik in fünf Monaten aufgewiesen haben. Der Auftragseingang im deutschen Maschinenbau legte im November um fünf Prozent zu, wie VDMA-Daten am Mittwoch zeigten. Die Arbeitslosigkeit geht zudem weiter zurück und die Arbeitslosenquote lag zuletzt auf dem niedrigsten Stand seit der Wiedervereinigung.

Die Inflation in Deutschland belebt sich derweil wieder: Die Verbraucherpreise lagen im Dezember 1,7 Prozent höher als im Vorjahr, womit der stärkste Preisauftrieb seit Mitte 2013 verzeichnet wurde. Der Anstieg, der vor allem auf teurere Energie und Nahrungsmittel zurückzuführen ist, könnte allerdings die Konsumausgaben belasten.

„Ins Jahr 2017 blickend dürften Struktur und Zusammensetzung des Wachstums gleich bleiben, aber von allem ein bisschen weniger“, erklärte Ökonom  Carsten Brzeski von ING-DiBa in Frankfurt. Seiner Meinung nach erfährt die Wirtschaft eher eine technische Erholung als den Beginn einer neuen Expansionsphase. „Es gibt einfach keine neue Dynamik.“