Konsumstory und Rezession Warum Brasilien trotz massiver Probleme für Anleger interessant bleibt

Mark Mobius

Mark Mobius

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Brasilien hat in den letzten Jahren mit vollen Händen Geld ausgegeben – leider ohne dadurch nennenswertes Wachstum herbeizuführen. Das hat negative Folgen für die Wirtschaft. Neben den großzügigen Investitionen im Vorfeld der FIFA Fußball-WM diesen Sommer und der Olympiade 2016 hat Brasiliens staatliche Ölgesellschaft Milliarden Dollar für kostspielige Offshore-Exploration, -Förderung und -Erschließung aufgewendet. Auch in andere Mammutprojekte ist Geld geflossen, etwa in eine große Petrochemiefabrik, aber auch in diverse Sozialprogramme zur Förderung der einkommensschwächeren Bevölkerungsteile. Brasilien spürt eindeutig Gegenwind, doch unseres Erachtens könnten sinnvolle Reforminitiativen, die private Beteiligungen ermöglichen, dem Land wieder auf einen aussichtsreicheren Kurs verhelfen und die Staatsfinanzen entlasten.

Die Copacabana in Brasilien.S&P Herabstufung – Ausdruck mangelnden Vertrauens in Wirtschaftsführung

Brasiliens Lage ist inzwischen so kritisch, dass die Ratingagentur Standard & Poor‘s seine Länderbonität unlängst von BBB auf BBB- herabgesetzt hat, die schlechteste Note auf Investment-Grade-Stufe. Darin kommt die Verschlechterung der Haushaltsposition des Landes zum Ausdruck, aber auch mangelndes Vertrauen in seine Wirtschaftsführung.    

Die Meldung hat den Druck auf die brasilianische Regierung offenbar erhöht, ihren Haushalt in Ordnung zu bringen. Nach der Herabstufung kündigte die brasilianische Steuerbehörde an, die Regierung wolle die Steuern erhöhen, um das enttäuschende Steueraufkommen auszugleichen.

Im Februar hatte Brasiliens Finanzminister Guido Mantega versprochen, die öffentlichen Ausgaben im Jahresverlauf um 18 Milliarden US-Dollar zu verringern. Wie er das bewerkstelligen möchte, erklärte er jedoch nur sehr vage. Die meisten Beobachter, wie auch wir, halten eine Senkung der Staatsausgaben angesichts der im Oktober anstehenden Präsidentschaftswahl auf kürzere Sicht für schwierig, wenn nicht gar unmöglich.

Reformen gehen zu langsam voran

Brasiliens Wirtschaftswachstum – 2,3 Prozent im Jahr 2013 mit gleicher Prognose für 2014 – reicht nicht aus, um das nötige Kapital für den Bedarf der jungen Bevölkerung an Infrastruktur und sozialen Diensten zu befriedigen. Staatlich kontrollierte Banken haben rege Kredite vergeben, doch aus unserer Sicht oft nicht mit der gebotenen Sorgfalt, was zu steigenden Ausfällen führen könnte. Manche Beobachter glauben, dass der Staat diesen Banken künftig womöglich noch mehr Kapital zuschießen muss. Das wiederum könnte die Verschuldungsquote erhöhen.

Reformen sind ausschlaggebend, gehen jedoch zu langsam voran, da politische Entscheidungen in Brasilien unserer Einschätzung nach einen breiten Konsens und lange Verhandlungsphasen erfordern.

Manche Reformen setzen Änderungen an Brasiliens Verfassung voraus, für die jeweils zwei Abstimmungen mit voller Mehrheit in beiden Kammern des Kongresses nötig sind. Das ist angesichts der Klüfte zwischen den verschiedenen Interessengruppen des riesigen Landes schwer zu erreichen.

Das Pendel der öffentlichen Meinung

2013 gab es in mehreren brasilianischen Großstädten Demonstrationen gegen Preiserhöhungen für Busfahrten, Korruption und mangelnde Infrastruktur. Bis dahin hatte sich Brasiliens Regierung aufgrund der niedrigen Arbeitslosigkeit und der vielen populistischen Programme großer Beliebtheit erfreut.

Anfang 2013 lagen Präsidentin Dilma Rousseffs Umfragewerte bei rund 70 Prozent. Am Jahresende waren sie auf 30 Prozent abgesackt. Trotz sinkender Popularität könnte sich eine gespaltene Opposition in der Mitte treffen und Rousseff damit im Oktober die Wiederwahl sichern.
Angesichts Brasiliens steigender Staatsverschuldung wird für den Ausbau der Infrastruktur im Land Geld der privaten Wirtschaft benötigt. Der aktuellen Planung zufolge müssen zahlreiche Konzessionen für Autobahnen, Eisenbahnstrecken, internationale Flughäfen und andere Dienste an den privaten Sektor vergeben werden.

Die Olympischen Spiele 2016 zwingen die Regierung zu einer schnelleren Gangart. Flughafenmanagement und -modernisierung sind dringend erforderlich, um die Millionen erwarteten Besucher abzufertigen. Ende 2013 hörte ich erfreut, dass ein Unternehmen aus Singapur künftig den ineffizienten Flughafen von Rio de Janeiro bewirtschaften soll. Weitere solche Kontrakte und Konzessionen wurden in anderen Bereichen vergeben.