Korrektur „Bei US-Aktien ist Vorsicht geboten“

Wolfgang Juds, Geschäftsführer von Credo Vermögensmanagement

Wolfgang Juds, Geschäftsführer von Credo Vermögensmanagement

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Unter Deflation versteht man einen allgemeinen, signifikanten und anhaltenden Rückgang des Preisniveaus für Waren und Dienstleistungen. Bei Wikipedia ist zu lesen, dass Deflation dann entsteht, wenn sie gesamtwirtschaftliche Nachfrage geringer als das Angebot ist. Da die Deflation normalerweise in einer Depression auftritt, besteht die Angst, dass wir aktuell vor einem allgemeinen Wirtschaftsabschwung stehen und die Deflation um jeden Preis bekämpft werden muss. Allerdings haben wir es nach meiner Einschätzung momentan nicht mit einem allgemeinen Preisverfall zu tun, sondern lediglich mit einem Fehlen der Inflation.

Einer der wesentlichen Preistreiber der vergangen Jahre ist der Ölpreis gewesen. Trotz aller Krisen ist dieser jedoch zuletzt signifikant gesunken. Seit dem 1. Januar 2014 verlor das Öl der Marke WTI in US-Dollar gerechnet mehr als 55 Prozent. Das ist positiv zu bewerten und entlastet den Verbraucher erheblich. Die hohen Energiepreise waren in den vergangenen Jahren einer der stärksten Preistreiber.

Zweitens: Aufgrund der Krise in der Eurozone der letzten Jahre wurden in einigen südeuropäischen Ländern erhebliche Sparmaßnahmen vorgenommen, welche die Wettbewerbsfähigkeit dieser Staaten erhöhen sollten. Dazu gehören auch Lohnsenkungen und moderate Tarifabschlüsse. Auch dieser Effekt führt insgesamt zu niedrigen Preisen.

Drittens: Die Lebensmittelpreise sinken aufgrund von guten Ernten. Die Preise für Mais und Weizen sind seit dem Herbst 2012 deutlich zurückgekommen. Auch die Preise für Milchprodukte sind aufgrund von Überkapazitäten gerade in den letzen Monaten  zurückgegangen.

Schließlich hat der allgemeine Produktivitätsfortschritt aufgrund der internationalen Arbeitsteilung in manchen Bereichen zu sinkenden Preisen geführt - insbesondere in der Unterhaltungsbranche ist ein Preisverfall bei Elektrogeräten festzustellen. Es gibt im Produktionssektor momentan keine Kapazitätsengpässe, die kurzfristig zu steigenden Preisen führen könnten. Diese Faktoren sind in der Summe grundsätzlich positiv zu bewerten und sollten keine Ängste erzeugen - weder bei den Anlegern noch bei den Verbrauchern.

Sinkende Preise belasten die reale Schuldenlast

Sinkende Preise schaden vor allem denjenigen Staaten und Akteuren, die am stärksten verschuldet sind und nicht mehr von ihren Schulden runter kommen. Insbesondere in den Staaten, die kein Wachstum aufweisen, steigt die reale Schuldenlast weiter an. Dazu gehören in der Eurozone insbesondere Frankreich und Italien. Bei Spanien und Portugal scheinen sich erste Erfolge einzustellen.

In Griechenland hingegen ist der Punkt vermutlich bereits überschritten, um aus eigener Kraft seine Probleme lösen zu können. Die Bereitschaft, den Sparkurs weiter fortzusetzen, hat erkennbar abgenommen. Mit einer stärkeren Inflationsrate wäre es möglich, den Schmerz zu lindern und leichter aus der Schuldenfalle heraus zu kommen. So aber werden auch Frankreich und Italien dazu gezwungen, Reformen für mehr Flexibilität am Arbeitsmarkt und weniger Bürokratie vorzunehmen, um mehr Investitionen zu ermöglichen.

Auch in Deutschland setzt sich inzwischen die Erkenntnis durch, dass es weitere Maßnahmen braucht, um die internationale Wettbewerbsfähigkeit auf Dauer zu erhalten und dass man sich nicht auf den Lorbeeren der Vergangenheit ausruhen darf. Der steigende Reformdruck sollte die Politik zum Handeln bewegen. Mit ihren jüngsten Beschlüssen zu den Anleihekäufen hat die Europäische Zentralbank jedoch den Druck aus dem Kessel genommen und den Staaten erneut Zeit verschafft. Es bleibt zu hoffen, dass die erforderlichen Strukturreformen in der Eurozone endlich ernsthaft angegangen und konsequent umgesetzt werden, denn auch die Geldpolitik hat ihre Grenzen!