Kostendruck Banken trennen sich von ihren erfahrensten Anleihehändlern

Der Londoner Finanzbezirk im Nebel. Vor allem für Anleihehändler sind die Aussichten trüb. Foto: Getty Images

Der Londoner Finanzbezirk im Nebel. Vor allem für Anleihehändler sind die Aussichten trüb. Foto: Getty Images

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Vor allem die Mitarbeiter mit der größten Erfahrung haben derzeit am meisten zu befürchten, wenn Banken den Handel mit Anleihen zurückfahren.

Rund 70 Prozent der Anleihehändler, die im vergangenen Jahr bei den zwölf größten Investmentbanken in London entlassen wurden, hatten über zehn Jahre in der Branche gearbeitet, wie sich aus Daten des Personalberaters Michelangelo Search ergibt. Die Handels-Desks sind demzufolge zunehmend mit jüngeren Kräften bemannt.

Erfahrene Mitarbeiter mit höheren Gehältern fallen den Bemühungen ihrer Arbeitgeber um Kostensenkungen zum Opfer. Die Banken stehen unter Druck, denn seit der weltweiten Finanzkrise haben ihnen Regulierer und Zentralbanken Regeln auferlegt, die es erschweren Gewinne zu erzielen. Die Entwicklung wird weitergehen, denn Banken wie Bank of America und Goldman Sachs denken daran, möglicherweise noch in diesem Quartal Mitarbeiter zu entlassen.

„Ich bin seit 35 Jahren im Anleihehandel, aber die meisten meiner Mitstreiter sind mittlerweile unter die Räder gekommen," sagte Tim Skeet, der 1981 seine erste Stelle als Bondhändler antrat und derzeit auf der Suche nach einer neuen Position in der Branche ist. „In London ist eine Verjüngungswelle im Gang – die Banken konzentrieren sich eher auf Kosten denn auf Erträge."

Der Handel verursacht den Banken höhere Kosten. Neben den regulatorischen Anforderungen, die die Geldhäuser sicherer machen sollen, spielt hier auch die Umstellung auf neue Technologien eine Rolle. Kritiker der Entwicklung halten es jedoch für riskant, auf Mitarbeiter zu verzichten, die einen ganzen Konjunkturzyklus miterlebt haben.

Früher dominierten die Banken den Anleihenmarkt – sie kauften und verkauften Schuldverschreibungen. Heutzutage trennen sie sich unter dem Eindruck von Regeln, die sie verpflichten, mehr Kapital vorzuhalten und weniger Risiken einzugehen, von ihren Anleihebeständen und agieren eher als Mittelsmänner, die Käufer und Verkäufer zusammenbringen.

„Die Welt der Festverzinslichen folgt dem klassischen Weg einer Branche, die reift – sie wird stärker reguliert, stärker automatisiert, braucht weniger Leute und sieht ihre Margen schrumpfen," sagte Carl James, Leiter Anleihehandel weltweit bei Pictet Asset Management in Genf. Er arbeitet seit 1986 in der Finanzbranche.

Bei den Erträgen aus dem Handel mit Festverzinslichen, Devisen und Rohstoffen – kurz FICC – deutete sich für die zehn größten weltweit aktiven Investmentbanken für das vergangene Jahr ein Rückgang auf 65 Milliarden Dollar an, ergibt sich aus Daten des Analysehauses Coalition vom 26. November. Das wäre der niedrigste Stand seit der Finanzkrise und weniger als die Hälfte der Erträge des Jahres 2009.