Krautzbergers Kosmos Anleihenrenditen steigen mit angezogener Bremse

Michael Krautzberger, Leiter des europäischen Anleihen-Teams bei BlackRock | © Piotr Banczerowski

Michael Krautzberger, Leiter des europäischen Anleihen-Teams bei BlackRock Foto: Piotr Banczerowski

Die globale Reflation ist in vollem Gange: In Deutschland belief sich die Inflationsrate im Januar 2017 auf 1,9 Prozent – ein deutlicher Anstieg gegenüber den 0,5 Prozent im Jahresdurchschnitt 2016. Der US-Arbeitsmarkt präsentiert sich in recht guter Verfassung und bietet Raum für steigende Löhne, die globale Wirtschaft macht insgesamt einen robusten Eindruck. Zudem besteht weltweit Aussicht auf staatliche Konjunkturprogramme, allen voran in den USA. Angesichts dessen haben die Renditen am Anleihenmarkt ihre Aufwärtsbewegung Anfang 2017 fortgesetzt. Diese Tendenz dürfte in den kommenden Monaten anhalten.

Ist das Segen oder Fluch für Anleger am Anleihenmarkt? Schließlich gehen steigende Renditen mit fallenden Kursen einher, die die Wertentwicklung der Bestandspapiere in den Portfolios belasten. Auf der anderen Seite können niedrigere Kurse Einstiegsgelegenheiten bieten, und höher verzinste Neuemissionen eröffnen Potenzial für höhere Renditen. Unsere Renditeerwartungen auf Sicht der kommenden fünf Jahre fallen im Vergleich zum Vorquartal nur moderat höher aus, am ehesten bei Staatsanleihen und Schwellenländerpapieren. Denn hohe staatliche Schuldenniveaus und gedämpfte globale Wachstumsaussichten deckeln den Spielraum für Zinserhöhungen. Folglich dürften die Renditen am Anleihenmarkt mittelfristig mit angezogener Handbremse steigen.

Ein Mischportfolio aus 60 Prozent Aktien und 40 Prozent Anleihen dürfte in den kommenden fünf Jahren auf Dollar-Basis etwa 4 Prozent nominale Rendite bescheren, wenn man die Indizes der breiten Märkte zugrunde legt. Das ist gemessen an früheren Zeiträumen nach wie vor niedrig – vor allem, weil die reale Rendite (nach Abzug der Inflation) tiefer liegen dürfte.

Angesichts dessen sind Anleger gut beraten, nicht nur die Chancen des breiten Markts wahrzunehmen. Beispielsweise könnte eine aktive Sektorengewichtung Chancen eröffnen. Denn es gibt Bereiche wie Konsum und Transport, die zum Beispiel steigende Löhne stärker zu spüren bekommen dürften als andere – mit entsprechenden Auswirkungen auf die Finanzkennzahlen der Unternehmen und damit die Entwicklung der Anleihen. Zudem bieten sich Relative-Value- und Arbitrage-Strategien an, die weitgehend marktunabhängige Erträge liefern. Kurzum: Aktive Portfoliomanager können in diesem Umfeld besonders gut zeigen, dass sie Mehrwert liefern.