Krautzbergers Kosmos Geldpolitik kann Risiko-Anlagen weiter stützen

Michael Krautzberger, Leiter des europäischen Anleihenteams bei BlackRock

Michael Krautzberger, Leiter des europäischen Anleihenteams bei BlackRock

Hat die US-Notenbank Fed gewissermaßen die Büchse der Pandora geöffnet, als sie die Leitzinsen Mitte März um 0,25 Prozentpunkte auf 0,75 bis 1 Prozent erhöhte? Und ist es nun an der Zeit, sich angesichts des veränderten geldpolitischen Kurses von risikoreicheren Anlageklassen zu verabschieden, die von der extrem lockeren Geldpolitik profitiert haben? Diese zwei Fragen treiben Anleger aktuell um.

Im Hinblick auf die erste Frage stellt die Leitzinserhöhung durch die Fed unserer Ansicht nach keineswegs eine Abkehr von der lockeren Geldpolitik dar. Auf dem niedrigen Zinsniveau, auf dem wir uns derzeit befinden, sind Anhebungen anders zu beurteilen als auf einem höheren, denn die Sensitivität verläuft nicht linear. Insofern unterstützt das aktuelle Zinsniveau Konjunktur und Märkte weiterhin. Zudem bringt es das Finanzsystem wieder stärker ins Gleichgewicht, etwa indem es die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes erhöht, Pensionsfonds Entlastung durch höhere Diskontsätze verschafft, Versicherern ein lukrativeres Neugeschäft ermöglicht und Privatanlegern höhere Sparbuchzinsen ermöglicht.

Wir erwarten, dass die Europäische Zentralbank folgt und 2018 zunächst ihre Anleihekäufe reduziert, bevor sie über eine Normalisierung der Zinsen diskutieren wird. Die japanische Notenbank dürfte zumindest ihre Zielrendite für zehnjährige Staatspapiere ausweiten.

Was die zweite Frage angeht, so geraten risikoreichere Anlageklassen im Falle einer Normalisierung der Leitzinsen nicht unbedingt unter Druck. Das zeigt beispielsweise ein Vergleich der US-Zinserwartungen von Marktteilnehmern mit der Kursentwicklung des US-Aktienindex S&P 500 seit Sommer 2016. Beide Kurven sind in den vergangenen Monaten gleichzeitig angestiegen. Ein ähnliches Bild ergibt sich beim Blick auf die Kursentwicklungen von US-Hochzinsanleihen, S&P 500, Dax und Nikkei: Alle vier Märkte haben im Nachgang des 21. September zugelegt. An jenem Tag hatte die Fed deutlicher nahegelegt, dass im Dezember eine Zinserhöhung anstehen könnte (die dann auch erfolgte), und die Bank of Japan war von negativen Zinsen auf einen „Zinsanker“ bei null Prozent umgeschwenkt.

Insofern würde eine grundlegende Neupositionierung unserer Ansicht nach über das Ziel hinausschießen. Inflationsindexierte Papiere halten wir nach wie vor für attraktiv. Ausgewählte Nachranganleihen europäischer Banken sind ebenfalls einen Blick wert.