Krautzbergers Kosmos Staatsanleihen bleiben wichtiger Portfoliobaustein

Michael Krautzberger, Leiter des europäischen Anleihe-Teams bei Blackrock, über die Rolle klassischer Staatsanleihen im Portfolio

Michael Krautzberger, Leiter des europäischen Anleihe-Teams bei Blackrock, über die Rolle klassischer Staatsanleihen im Portfolio

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Während negative Zinsen vor nicht allzu langer Zeit in erster Linie noch ein japanisches Phänomen waren, sind sie inzwischen auch in Europa an der Tagesordnung. Dadurch bieten Staatsanleihen zum Beispiel wenig Risikopuffer für den Fall, dass das Wirtschaftswachstum stark anzieht oder dass die Inflation deutlich ansteigt. Ist es also überhaupt noch sinnvoll, die Papiere im Portfolio zu halten?

Kurz gesagt: ja. Dafür sprechen unserer Ansicht nach vor allem vier Gründe. Erstens die relative Renditebetrachtung: In einer Welt, in der die Zinsen verbreitet fallen, in der die Notenbanken einen Großteil der Emissionen aufnehmen und Anleger sich mehr darum sorgen, ihr Kapital überhaupt in vollem Umfang zurückzuerhalten, als darum, welche Rendite sie erhalten, kann es sinnvoll sein, niedrige Renditen zu akzeptieren.

Zweitens spielen klassische Staatsanleihen wie etwa deutsche Bunds nach wie vor ihre traditionelle Rolle als Instrumente zur Risikostreuung. Denn historisch betrachtet haben sie sich in Phasen, in denen Anleger weniger Risiko in Kauf nahmen, besser als andere Anlageklassen entwickelt. Das gilt vor allem für Papiere mit langer Laufzeit. Zum Dritten dürften die Anleihenkäufe der Europäischen Zentralbank auch klassische Staatsanleihen weiterhin unterstützen. So ist das Nettoemissionsvolumen 2015 in Anbetracht der EZB-Käufe negativ gewesen, und in diesem Jahr dürfte das ähnlich sein.

Viertens bietet der Markt für europäische Staatsanleihen Raum für weitere Kursgewinne dadurch, dass sich die Risikoaufschläge einengen. Papiere der europäischen Peripheriestaaten erscheinen dafür besonders aussichtsreich – allerdings gilt es, einige Risiken im Auge zu behalten. Beispielsweise gilt es in Portugal – einem Land mit drei Ratings unterhalb des Investment-Grade-Status und einem Investment-Grade-Rating –, potenzielle Bonitätsveränderungen im Auge zu behalten. Im positiven Fall würden die Papiere des Landes in neue Indizes aufgenommen, im negativen Fall würden Anleihekäufe durch die EZB schwieriger.

Die genannten Gründe zeigen, dass klassische Staatsanleihen nach wie vor ihre Berechtigung haben. Daher sollten Anleger sie im Rahmen ihrer Vermögensaufteilung nach wie vor berücksichtigen.