Krautzbergers Kosmos Währungseffekte im Auge behalten

Michael Krautzberger, Leiter des europäischen Anleihenteams bei BlackRock.

Michael Krautzberger, Leiter des europäischen Anleihenteams bei BlackRock.

Wechselkurse spielen für Anleiheinvestoren eine immer wichtigere Rolle. Denn seit einiger Zeit bewegen sie sich verstärkt auf und ab und
beeinflussen die Gesamtrendite von Portfolios zunehmend. Anleger sollten das in ihre Entscheidungen einbeziehen.

Ein gutes Beispiel dafür, dass die Wechselkurse sich stärker bewegen, liefert der Euro. Die europäische Gemeinschaftswährung ist in den ver-
gangenen Monaten deutlich stärker geworden, vor allem gegenüber dem Dollar. Die  Gründe dafür sind vielfältig: Das Wirtschaftswachstum
in Europa hat wieder an Fahrt gewonnen, die politischen Risikoprämien sind vor allem nach der Wahl in Frankreich gesunken, und die Euphorie hinsichtlich möglicher Reformen unter der neuen US-Regierung lässt nach.

Mit Blick auf Anleiheportfolios ergeben sich daraus vor allem drei  Folgen:  Erstens dämpft ein starker Euro tendenziell die Inflation in Europa. Zusammen mit dem schwachen Ölpreis könnte das dazu führen, dass die Europäische Zentralbank ihre außergewöhnlichen geldpolitischen  Maßnahmen wie etwa Anleihekäufe langsamer zurückfährt als ursprünglich erwartet.

Schwacher Dollar heizt Inflation an

Im Gegensatz dazu könnte die US-Notenbank Fed angesichts des schwachen Dollar, der in den USA tendenziell als Inflationskatalysator  wirkt, mehr Zinserhöhungen durchsetzen als in den  Vorjahren. Das  macht  Euro-Anleihen und Euro-basierte Anleihefonds im Vergleich zu anderen Zinspapieren attraktiver. Zweitens bieten stärkere Kursbewegungen bei Währungen Portfoliomanagern die Chance, aktive Währungspositionen einzugehen, um dadurch Zusatzerträge zu erzielen.

Voraussetzung dafür ist, dass die Portfoliomanager über entsprechende Anlagefreiheiten  verfügen. Und drittens sollten Anleger, die in Euro rechnen, im Hinblick auf Engagements in Fremdwährungspapieren vorsichtiger sein. Dazu gehört auch, die Kosten für eventuelle Absicherungen im Blick zu haben. Beispielsweise rentieren US-Anleihen nach Abzug der Kosten für Absicherungen des Euro-Dollar-Kurses vielfach tiefer als vergleichbare Euro-Papiere.

Anleger, die ihre Portfolios noch nicht an die neuen Währungsverhältnisse angepasst haben, sollten es nun in Erwägung ziehen. Denn wir gehen davon aus, dass die Veränderungen der vergangenen Monate tendenziell anhalten, sprich: Der Dollar dürfte nach einer mehrjährigen Phase der Stärke nun  unter einigen Schwankungen längere Zeit seitwärts tendieren.