Krisensicher: Die Assetklasse Mensch

Leopold Seiler

Leopold Seiler

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DAS INVESTMENT: Mikrofinanzfonds vergeben Darlehen an Mikrofinanzinstitute, kurz MFIs, die das Geld an Kleinstunternehmer weitergeben. In der Krise werden die Armen noch ärmer. Wer seinen Unterhalt als Straßenkoch, Gemüsebauer oder Näher verdient, hat sowieso schon kaum Geld für Zinsen. Steigen jetzt die Ausfallraten? Leopold Seiler: Nein. Wie viel können Sie jemandem wegnehmen, der außer seiner Arbeitskraft und Fantasie praktisch nichts hat? Außerdem werden keine Konsumkredite vergeben, sondern nur Darlehen für die Deckung eines lokal messbaren Bedarfs, also für Produkte mit einer geringen Nachfrageelastizität. Es geht um reelle Dinge, die gebraucht werden: Nahrung oder Kleidung, also Basics, die man nicht substituieren kann, Krise hin oder her. Außerdem dürfen Sie die Solidarität innerhalb einer Kreditgruppe nicht vergessen.

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DAS INVESTMENT: Was heißt das? Seiler: Die Darlehen werden meist an eine Gruppe von 5 bis 20 Kreditnehmern mit ähnlichen Rahmenbedingungen, beispielsweise zehn benachbarte Landwirte, vergeben. Kann einer nicht zahlen, springen die anderen ein, um die Bonität der Gesamtgruppe nicht zu gefährden. DAS INVESTMENT: Die MFIs vergeben ihre Kredite in der jeweiligen Lokalwährung, während Sie in US-Dollar oder Euro investieren. Die Krise dürfte darum zumindest für ein höheres Währungsrisiko sorgen. Steigt dadurch die Volatilität des Fonds? Seiler: Nicht zwingend. Zurzeit vergibt unser Fonds nur Darlehen an MFIs, die das Währungsrisiko passend zur Laufzeit des Kredites absichern können. In Südamerika vergeben zahlreiche MFIs zudem teilweise Kleinstkredite in US-Dollar. Und streckenweise bilden sich autonome Geldkreisläufe neben der lokalen Währung. Der Euro ist im osteuropäischen MFI-Sektor beispielsweise ein gern gesehenes Zahlungsmittel.