Kritik an EZB-Geldpolitik „Niedrigzins führt zu gefährlichen Spekulationsblasen“

Wolfgang Schäuble: Der Bundesfinanzminister fordert einen raschen Kurswechsel der Europäischen Zentralbank. | © Getty Images

Wolfgang Schäuble: Der Bundesfinanzminister fordert einen raschen Kurswechsel der Europäischen Zentralbank. Foto: Getty Images

Die außergewöhnliche Geldpolitik der EZB habe zur Überwindung der Krise beigetragen, sei aber nun nicht mehr angemessen, zitiert die Nachrichtenagentur Reuters aktuell Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) von einer Bankenkonferenz in Frankfurt. „Und deswegen wünscht sich jeder weltweit, dass wir möglichst bald zur Normalisierung kommen.”

Auch John Cryan, seit zwei Jahren Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank, kritisierte die Politik der EZB demnach mit drastischen Worten: Sie führe zu immer stärkeren Verwerfungen an den Märkten, zu gefährlichen Spekulationsblasen und benachteilige zudem die europäischen Geldhäuser im Wettbewerb mit Banken in den USA.

Geldhäuser in Existenz gefährdet

„Alleine im ersten Halbjahr 2017 ist der Zinsüberschuss amerikanischer Banken um 8 Prozent gestiegen - in Europa ist er dagegen um 2 Prozent gefallen”, zitiert Reuters Cryan weiter. Die EZB-Geldpolitik lasse die Erträge der Banken in Europa sinken: „Verglichen mit der Zeit vor der Finanzkrise beträgt das Minus ganze 23 Prozent.”

Eine Umfrage der Bundesbank hatte unlängst ergeben, dass die Mini-Zinsen in der Eurozone kleinere Geldhäuser langfristig in der Existenz gefährden: Die rund 1.500 untersuchten Sparkassen und Volksbanken gehen auf Sicht von fünf Jahren davon aus, dass ihr Vorsteuergewinn gemessen an ihrer Bilanzsumme um 16 Prozent schrumpfen wird.

„Die EZB überzieht langsam”

Im Namen der Volks- und Raiffeisenbanken erklärte deren Verbands-Chef Uwe Fröhlich, die rund 1.000 angeschlossenen Institute würden händeringend darauf warten, dass die Europäische Zentralbank die Zinsen in der Währungsunion wieder normalisiere: „Uns allen ist wohl klar, dass die EZB langsam überzieht.”

Die EZB, die ihren Leitzins auf das Rekordtief von 0,0 Prozent hält und wöchentlich Milliarden in das Bankensystem pumpt, dürfe ihren Ausstieg aus der extrem expansiven Geldpolitik „nicht immer wieder auf Wiedervorlage setzen”, forderte auf der Bankenkonferenz laut Reuters ebenfalls Sparkassen-Präsident Georg Fahrenschon.