Kritik an Riester-Rente Was macht Österreich bei der Altersvorsorge besser?

Studienautor Dr. Rudolf Zwiener leitet das Referat „Wirtschaftspolitische Beratung, Modellsimulation“ der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung.

Studienautor Dr. Rudolf Zwiener leitet das Referat „Wirtschaftspolitische Beratung, Modellsimulation“ der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung.

// //

In Österreich konzentriert sich die Altersversorgung nach wie vor weitgehend auf die umlagefinanzierte Gesetzliche Rentenversicherung (GRV), in die auch die Selbständigen einbezogen wurden und deren Bestimmungen schrittweise für Beamte zur Anwendung kommen.

In Deutschland wurde und wird über die kommenden Jahre das Niveau dieser „ersten Säule“ dagegen deutlich reduziert, um den Beitragssatz in der GRV zu stabilisieren. Die geringeren Leistungen sollte vor allem die private, aber staatlich subventionierte, Riester-Vorsorge ausgleichen.

Deutliche Konsequenzen der unterschiedlichen Ansätze


Nach rund 15 Jahren lassen sich laut einer neuen Studie der Hans-Böckler-Stiftung deutliche Konsequenzen dieser unterschiedlichen Ansätze beobachten: In Deutschland sind Beschäftigte über die GRV mittlerweile weitaus geringer abgesichert.

Das unterstreichen zahlreiche Kennziffern. Beispielsweise erhielten im Jahr 2013 langjährig (mindestens 35 Jahre) und besonders langjährig (mindestens 45 Jahre) versicherte Männer, die neu in Rente gingen – die Einschränkung auf Männer erfolgt, weil hier in der Regel von durchgehender Vollzeitbeschäftigung ausgegangen werden kann – in Deutschland im Durchschnitt 1.050 Euro monatliche Altersrente.

In Österreich kam ein vergleichbarer Neurentner dagegen auf 1.560 Euro – bei 14 Auszahlungen pro Jahr. Auch für die heute Jüngeren sind die Rentenperspektiven in Österreich wesentlich besser als in Deutschland.

Spürbar höherer Beitrag zur Gesetzlichen Rentenversicherung

Eine der Bedingungen für die besseren Leistungen in der Alpenrepublik ist ein spürbar höherer Beitrag zur GRV. Die gesamte Beitragsbelastung für Beschäftigte ist im Vergleich zu Deutschland allerdings nur höher, wenn man die 4 Prozent Beitragssatz zur zusätzlichen Riester-Vorsorge nicht mit einrechnet.

Auch wenn die Arbeitgeber in Österreich höhere Beiträge leisten müssen, war die gesamtwirtschaftliche Entwicklung dort seit Beginn der Reformen günstiger als in Deutschland.

Zu diesen Ergebnissen kommt eine neue Studie, die Wissenschaftler des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) und des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung gemeinsam mit Forschern der Arbeiterkammer Wien und der Berliner Hochschule für Technik und Wirtschaft erstellt haben.

Deutlich besseren Schutz im Alter durch höhere Leistungen


„Der Vergleich zeigt, dass das österreichische System einen deutlich besseren Schutz im Alter durch höhere Leistungen gewährleistet“, konstatieren die Autoren Dr. Florian Blank, Prof. Dr. Camille Logeay , Mag. Erik Türk, Dr. Josef Wöss und Dr. Rudolf Zwiener.

„Dabei sind die ökonomischen Rahmendaten in Österreich denen in Deutschland weiterhin vergleichbar – ein starkes öffentliches Rentensystem belastet also offenbar nicht die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit eines Landes.“ Die Forscher halten es für möglich, durch Orientierung an Österreich ein stabileres Alterssicherungssystem zu erreichen – ohne dass ein erneuter Systemwechsel nötig sei.