Kurssturz in China Überreaktion der Börsen bietet Anlagechancen

Ein wichtiger Teil der Wirtschaft in China – der Wohnungsmarkt – beginnt sich auch dank staatlicher Eingriffe stark zu erholen. Foto: Getty Images.

Ein wichtiger Teil der Wirtschaft in China – der Wohnungsmarkt – beginnt sich auch dank staatlicher Eingriffe stark zu erholen. Foto: Getty Images.

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Die Sorgen um Chinas Konjunktur halten die Anleger derzeit in Atem. Die überraschende Abwertung des Renminbi durch die chinesische Zentralbank hat zuletzt außerdem für reichlich Aufregung an den internationalen Finanzmärkten gesorgt. Auch an Europas Börsen gab es in den vergangenen Wochen zum Teil heftige Kursverluste zu verzeichnen.

Geht es nach den Experten der Fondsgesellschaft Fidelity, war die heftige Reaktion aber überzogen. „Der jüngste starke Kursrückgang an den Aktienmärkten wurde vor allem von der Sorge getrieben, dass das Wachstum in den Schwellenländern, und speziell in China, weiter nachlässt. Auslöser waren die Abwertung des Renminbi und der schwache chinesische Einkaufsmanagerindex, aber das Ausmaß der Kursverluste wurde durch die geringe Liquidität noch beschleunigt“, erläutert Matthew Siddle, Fondsmanager des Fidelity European Growth Fund.

„Eigentlich sollte man annehmen, dass in Korrekturen zyklische Werte unter Druck geraten, aber dieses Mal waren es Aktien wie SAB Miller, die deutlich underperformten“, so der Fondsmanager. Auch Prudential habe seine gesamte Prämie gegenüber dem Versicherungssektor verloren und werde nun mit einem Discount zu reinen Schwellenländer-Versicherern wie AIA gehandelt.

Konjunktur in Europa und USA stabil

Siddle mahnt jedoch zur Ruhe und Besonnenheit. „Entscheidend ist aus meiner Sicht, dass die Konjunkturdaten in den USA und Europa positiv bleiben und dass es keine Anzeichen für eine breite Abschwächung in den Industriestaaten gibt“, sagt Siddle. So seien beispielsweise die Arbeitsmarktdaten und das Lohnwachstum in Europa ermutigend. Auch der Einkaufsmanagerindex für Dienstleistungen in den USA sei zuletzt positiv gewesen.

Auch die jüngste Abwertung des Renminbi sei nicht besorgniserregend. Der Schritt der chinesischen Notenbank habe die Währung nur auf die Niveaus vom Februar zurückgeführt. Die wirtschaftliche Abschwächung in China sei ebenfalls keine völlig neue Nachricht, und die Situation habe sich auch in den vergangenen Tagen und Wochen nicht deutlich verschlechtert. „Wir wissen seit einiger Zeit, dass sich das chinesische Wachstum verlangsamt und dass die Exporte wegen des Wechselkurses unter Druck standen“, so Siddle.

Erste positive Anzeichen einer Aufhellung

Ein wichtiger Teil der Wirtschaft in China – der Wohnungsmarkt – beginne sich auch dank staatlicher Eingriffe stark zu erholen. „Auch aus diesem Grund halte ich die Sorge über den Zustand der chinesischen Wirtschaft für übertrieben“, sagt Siddle. Er bevorzugt aktuell konsumnahe Titel, wie etwa den Versicherer Prudential sowie Unternehmen aus den Bereichen Grundnahrungsmittel und Dienstleistungen.

Auch Christian von Engelbrechten bezeichnet die starken Kursverluste an Europas Börsen als übertrieben. Der Fondsmanager des Fidelity Germany Fund sieht sogar im jetzigen Umfeld gute Chancen für aktive Stockpicker. „Ich halte die aktuelle Volatilität als eine gute Gelegenheit, um Aktien zu kaufen.“ Nach einem Zeitraum starken, aber nicht nachhaltigen Wachstums, habe sich Chinas Konjunktur verlangsamt, so von Engelbrechten. Auch die Dynamik verändere sich, weil die Regierung versuche, die Wirtschaft stärker auf den Konsum und Dienstleistungen auszurichten.

„So wie jedoch während der Wachstumsphase europäische Investitionsgüterunternehmen und Minenkonzerne profitierten, so wird auch dieser Übergang Auswirkungen auf die europäischen Unternehmen haben“, so der Fondsmanager. Das gelte speziell für Deutschlands Firmen, angesichts des im Verhältnis hohen Handelsniveaus und der ausländischen Direktinvestitionen.

„Selektivität ist der Schlüssel“

Zwar gäbe es keinen Zweifel daran, dass die Konjunkturabschwächung in China die Gewinne deutscher Unternehmen drosseln werde. Es werden jedoch nicht alle Exporttitel im selben Ausmaß betroffen sein. „Selektivität ist der Schlüssel“, so der Fondsmanager. Außerdem hatten die Unternehmen genug Zeit, sich darauf einzustellen und sich anderen Regionen zuzuwenden, schließlich kommt die Verlangsamung der chinesischen Konjunktur nicht völlig überraschend. „Deutsche Konzerne haben in der Vergangenheit bewiesen, dass sie flexibel und anpassungsfähig sein können und trotz Gegenwindes wachsen können“, sagt von Engelbrechten.

Er verfolgt mit seinem Fonds eine „Bottom-up“-Strategie, die bei den einzelnen Unternehmen ansetzt und nicht bei Prognosen ganzer Volkswirtschaften und Währungskursen. Seiner Ansicht nach können Marktführer in ihren Branchen auch bei schwierigen Bedingungen wachsen, beispielsweise Daimler und Continental im Automobilsektor. Der Fondsmanager achtet dabei vor allem auf Unternehmen mit starken Management-Teams und zweistelligem Gewinnwachstum.