Lebensversicherungen: Gefangen in der Zinsfalle

Beeinflusst das Zinsniveau - und damit auch die Renditen<br>der Lebensversicherungen: EZB-Chef Jean-Claude Trichet.<br>Foto: Getty Images

Beeinflusst das Zinsniveau - und damit auch die Renditen
der Lebensversicherungen: EZB-Chef Jean-Claude Trichet.
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Wo liegt das Problem?

Die Versicherer leiden unter den späten Folgen der Finanzkrise. Bei klassischen Policen geben die Gesellschaften langfristige Garantien. Derzeit verzinst sich der Kundenbeitrag (nach Abzug der Kosten und der Risikovorsorge) pro Jahr mit 2,25 Prozent. Das ist der vom Bundesfinanzministerium festgelegte Garantiesatz.

Um dieses Geld zu erwirtschaften, legen die Versicherer das Geld am Kapitalmarkt an – aber vorsichtig, denn dazu sind sie per Gesetz verpflichtet. Sie nutzen zum allergrößten Teil festverzinsliche Wertpapiere und hier vor allem Staatsanleihen. In der Regel liegen die Renditen dieser Papiere um die 4 Prozent – die Anbieter erwirtschaften also mehr als den Garantiezins und können diesen Überschuss in Form der Überschussbeteiligung ihren Kunden gutschreiben.

Weil europäische Staaten wie Griechenland und Irland aber hoch verschuldet sind und marode Banken billiges Geld brauchen, belässt die Europäische Zentralbank (EZB) die Zinsen für den Euroraum auf niedrigem Niveau. Weil sie außerdem Staatsanleihen der Problemländer kauft, drückt sie das Zinsniveau noch weiter. Die Folge: Die Renditen der Staatsanleihen sinken.

Zehnjährige Bundesanleihen werfen derzeit um die 3,12 Prozent ab, statt 4 Prozent wie noch vor drei Jahren. Das drückt das Kapitalanlageergebnis der Unternehmen. Sie müssen ihre Überschussbeteiligungen senken. Das haben für 2011 auch 44 der 69 Anbieter getan. Die durchschnittliche Verzinsung liegt im Schnitt aktuell bei 4,1 Prozent – vor gut zehn Jahren waren es noch 7 Prozent. Dass die Überschussbeteiligung noch nicht weiter gesunken ist, liegt an den Rückstellungen, die die Versicherer gebildet haben (RfBs).

Auch mit dem Garantiezins wird esbergab gehen. Er orientiert sich an den Renditen zehnjähriger Staatsanleihen und darf 60 Prozent dieses Werts nicht überschreiten. Das Bundesfinanzministerium plant eine Senkung von 2,25 auf 1,75 Prozent zum Juli 2011. Dagegen wehrt sich derzeit die Branche, sie sieht die Verkaufsargumente für ihr Produkt schwinden und plädiert für eine Absenkung auf nur 2,00 Prozent per Anfang 2012.

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