Lilian Co: „China rettet die Weltwirtschaft“

Lilian Co

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DAS INVESTMENT.com: Die chinesischen Aktienindizes haben seit ihren Tiefstständen im vergangenen Jahr um bis zu 100 Prozent zulegt. Wie ordnen Sie dieses stürmische Comeback ein?

Lilian Co: Für mich ist das eine Rally der Hoffnung. Von einem Extrem, dem tiefen Fall der Märkte, schwankte die Stimmung besonders ab März ins andere Extrem, die Euphorie, um. Das ist ein ganz typisches Phänomen für den Beginn eines soliden Bullenmarktes. Der Panik folgt die Hoffnung. An dieses Drehbuch haben sich die Markteilnehmer gehalten. Je dramatischer die Panik ausfällt, umso so stärker kehrt natürlich die Hoffnung zurück. Dieser Artikel stammt aus der aktuellen Ausgabe von DAS INVESTMENT (November 2009). 
 
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DAS INVESTMENT.com: Im August folgte ein erster heftiger Dämpfer und die Märkte gaben um mehr als 20 Prozent ab.

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Co: Das ist eine gesunde Korrektur gewesen. Mir kam sie sehr gelegen, weil ich erneut preiswert Aktien kaufen konnte. Natürlich sind die Märkte noch nervös, und als die Regierung die exzessive Kreditvergabe kritisierte, kam es zu Gewinnmitnahmen. Das ist völlig in Ordnung. Es ging mehr als neun Monate am Stück nach oben, da gehören Gewinnmitnahmen dazu. Und ich begrüße die Aussagen der Staatsführung. Man muss die Marktteilnehmer auch immer mal wieder auf den Boden der Tatsachen zurückholen. Ich hätte mir die Anweisungen schon früher gewünscht. Mitunter hatte ich den Eindruck, die Regierung sei etwas feige und wolle die gute Stimmung nicht vermiesen.

DAS INVESTMENT.com: Ist Operation Hoffnung nun beendet?

Co: Nein. Die Rally wird weitergehen, und ich bleibe sehr optimistisch. Vor der Krise lag das durchschnittliche Kurs-Gewinn-Verhältnis bei 30. Derzeit liegt es bei 13. Die Unternehmen steigern ihre Erträge jedoch im Schnitt um 20 Prozent. Da ist noch gewaltig Luft nach oben. Aber die hohe Volatilität wird anhalten. Wir werden uns an Schwankungen von 10 Prozent und mehr innerhalb nur eines Handelstages gewöhnen müssen.

DAS INVESTMENT.com: Auffällig ist, dass zuletzt die asiatischen Börsen, und besonders die chinesischen, immer stärker als Gradmesser über einen guten oder schlechten Börsentag entscheiden. Hat der US-Markt als Barometer ausgedient?

Co: Nein. Wenn die USA heute überraschen, positiv wie negativ, werden sich die Weltbörsen weiter anstecken lassen. Aber Ihre Wahrnehmung ist trotzdem richtig. Es wird verstärkt nach Asien geguckt. China gilt nicht zu Unrecht als Retter der Weltwirtschaft. Chinas Wirtschaft ist im Vergleich zur Amerika und Europa kerngesund. Wer nur so strotzt vor Kraft und Wachstum, wird natürlich auch deutlich stärker wahrgenommen.

DAS INVESTMENT.com: Jim O´Neill, Chefvolkswirt von Goldman Sachs, wertet die positive Entwicklung der großen Schwellenländer als Abkopplung von der problematischen Entwicklung der Industrienationen.

Co: Das ist ein Mythos. Natürlich gibt es immer mal wieder Regionen, die weniger anfällig sind von globalen Problemen. Aber so vernetzt wie heute war die Weltwirtschaft noch nie. Hegemonialinteressen sind doch aus dem letzten Jahrhundert. Internationale Großkonzerne sind heute in jedem Winkel der Erde zuhause. Da spielt es keine Rolle, ob sie ihren Stammsitz in Zürich, New York oder Shanghai haben. Die Reaktionen auf die Finanzkrise haben doch gezeigt, dass Partikularinteressen keinem helfen. Es kann nur noch ums große Ganze gehen. Als Fondsmanager muss ich heute daher umso stärker die makroökonomische Seite beurteilen können, und diese stärker bei der Titelauswahl berücksichtigen als in der Vergangenheit.

DAS INVESTMENT.com: Sie sind sehr stark in chinesische Immobilienwerte investiert. Die sind doch eher von nationalem Empfinden geprägt?