Lombard Odier Investment Managers Zehn Dinge, die mit traditionellen Anleihe-Investments nicht stimmen

Kevin Corrigan, Leiter Fundamental Fixed Income, Lombard Odier Investment Managers

Kevin Corrigan, Leiter Fundamental Fixed Income, Lombard Odier Investment Managers

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Wie besessen suchen Anleger nach wie vor nach Rendite. Investoren, sollten aber bei jedem Anleiheinvestment ebenso stringent vorgehen, wie sie es tun würden, wenn sie in irgendeinem anderen Bereich jemandem Geld leihen. Denn das würde dazu führen, dass sie ihren Fokus auf Qualität und das Risikomanagement lenken.

Die Mehrheit der Anleiheinvestoren jedoch ist in Strategien investiert, die dem traditionellen, nach Marktkapitalisierung gewichteten Ansatz folgen. Das bedeutet, dass sie den Kreditnehmern mit den höchsten Schulden noch mehr Geld leihen. Indem sich Bond-Anleger stattdessen auf die fundamentalen Faktoren der Emittenten, also der Staaten und der Unternehmen, fokussieren, bringen sie sich selbst dazu, sich als Kreditgeber zu betrachten. Dann hat nicht mehr die Frage Priorität, ob ein Kreditnehmer die Fähigkeit hat, sich noch mehr Geld zu leihen, sondern die Überlegung, ob er seine Schulden zurückzahlen kann.

Dies als Hintergrund, nennen wir Ihnen zehn Punkte, die unserer Ansicht nach mit dem traditionellen Ansatz von Anleiheinvestments falsch laufen:

„Ich produziere immer weiter Blasen…”

Die Geschichte zeigt, dass Investments in Marktindizes Anleger in die am stärksten gehebelten Schuldner und Industrien führt. Oftmals mit desaströsen Folgen. Heben Sie bitte Ihre Hand, wenn Sie glauben, dass der September 2008 und der Lehman-Kollaps ein guter Zeitpunkt waren, um 56 Prozent des Unternehmensanleihe-Portfolios im Finanzbereich zu haben. Je ungesünder sich ein Sektor entwickelt, desto mehr Schulden macht er und er bekommt dann in den Marktindizes ein größeres Gewicht. Wenn sich die Bedingungen aber verbessern, dann de-investieren Anleger. Eine erfolgreiche Investment-Strategie sieht anders aus.

„Das Jahr des Schafes”

Mehr Geld als jemals zuvor ist investiert, und zwar stärker konzentriert und in weniger Positionen. Nach Marktkapitalisierung gewichtete Anleiheindizes fördern genau das. Machen Sie das nicht mit.

„Was würde Ihr Bankmanager tun?”

Wenn Sie ein Darlehn wollen, stellt man Ihnen viele Fragen und Bond-Investoren sollten dieselbe Stringenz durchgehend bei ihrem Portfolio anwenden. Indem Anleger den nach Marktkapitalisierung gewichteten Indizes folgen und Geld denjenigen leihen, die schon am höchsten verschuldet sind, verhält sich die Mehrheit der Investoren nicht nach den gleichen Grundsätzen, die ein Bank-Manager anwendet, wenn er Kredite vergibt.

„Größe spielt keine Rolle”

Größer ist bei Anleihen nicht unbedingt besser. Die jüngste Risk-off-Periode hat gezeigt, dass auch bei den größten Schuldnern Illiquiditätsprobleme auftreten können. In solchen Phasen kann eine auf Qualität basierende Diversifikation einen gewissen Schutz bieten.

„Eine ausgewogene Diät hilft, länger zu leben”

Anleihe-Investoren stürzen sich schon seit einigen Jahren auf Rendite. Der große Zuckerrausch, den High-Yields, Peripherie-Anleihen oder Bank-Kapital bieten, wird nicht endlos Erträge liefern. Gesünder ist es, sich auf die Bonitätskennziffern der Unternehmen zu konzentrieren, und nicht darauf, wer die meisten Papiere ausgibt.

„Schwellenländer ohne China und Indien ist, wie sich ohne Seife und Wasser zu waschen”

Warum investieren traditionell orientierte Anleger nicht in zwei der größten Volkswirtschaften der Schwellenländer? Beide, China und Indien, sind traditionell von traditionellen Indizes ausgeschlossen, und zwar weil diese Märkte für Anleger schwer zugänglich sind. Das aber macht ihre Volkswirtschaften nicht weniger relevant.

„Der Preis stimmt”

Quantitative Easing hat die Boote überall im Anleihebereich angehoben – und das war nicht immer nur bei den besten der Fall. Das erhöht den potenziellen Verlust, wenn es einen Ausfall gibt, wobei die Marktkapitalisierung nichts darüber aussagt, wer das sein wird. Es ist deshalb besser einem Index zu folgen, der die fundamentalen Daten eines Kreditnehmers berücksichtigt und eben nicht nur den Kurs.

„Passt die Marktkapitalisierung?”

Die Marktkapitalisierung der Emittenten ignoriert die entscheidenden Treiber, die die Fähigkeit und die Bereitschaft der Kreditnehmer zu zahlen, bestimmen. Kann ein Investor darauf vertrauen, dass aktives Management in einer illiquiden Assetklasse dieses Problem löst? Wir glauben nicht.

„Hör auf die Sirenen“

In der griechischen Mythologie umschiffte der Held Odysseus erfolgreich die Verlockungen des Gesangs der Sirenen, in dem er sich selbst am Mast des Schiffes festband. Es könnte sein, dass nicht genug Seil für die Investoren da ist, um das Gleiche bei der nächsten Blase, die platzt, zu tun. Fokussieren sie sich also besser auf eine auf Qualität beruhende breite Diversifikation, eine geringe Konzentration im Portfolio und fundamentale Faktoren.

„Gesunder Menschenverstand?“

Würden Sie lieber Geld an Banken und Versicherer verleihen, nur weil sie mehr brauchen? Und am Ende mit einem Portfolio dastehen, das mit der realen Welt so gar nicht mehr im Gleichgewicht ist? Oder lieber Unternehmen wie Einzelhändlern mehr leihen, die Ihr Geld vielleicht nicht brauchen, die es aber mit größerer Wahrscheinlichkeit zurückzahlen?