Londoner Fixing: Wird der Goldpreis manipuliert?

Gold: Die Preisfindung für das Edelmetall scheint fragwürdig. (Foto: Getty Images)

Gold: Die Preisfindung für das Edelmetall scheint fragwürdig. (Foto: Getty Images)

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An jedem Geschäftstag legen in London fünf Banken den Goldpreis in einem Ritual fest, das auf das Jahr 1919 zurückgeht. Neuerdings geben Händler und Ökonomen zu bedenken, dass Kenntnisse, die aus diesen telefonischen Besprechungen stammen, einigen Marktteilnehmern möglicherweise einen unfairen Vorteil verschaffen, wenn sie das Edelmetall kaufen beziehungsweise verkaufen.

Die britische Aufsichtsbehörde Financial Conduct Authority (FCA) untersucht derzeit, wie sich die Preise am Goldmarkt bilden, berichtet eine informierte Person, die nicht genannt werden möchte. Der Markt hat ein Volumen von rund 20 Billionen Dollar. Das Londoner Fixing, das als Benchmark-Satz von Bergbaugesellschaften, Juwelieren und Zentralbanken für Käufe und Verkäufe des Edelmetalls genutzt wird, wird zweimal täglich nach einer Telefonkonferenz von Barclays, Deutsche Bank, Bank of Nova Scotia, HSBC Holdings und Société Générale veröffentlicht.

Das Verfahren, bei dem Gold ge- und verkauft wird, dauert manchmal nur einige Minuten, an anderen Tagen über eine Stunde. Die Teilnehmer können das Metall und seine Derivate am Kassamarkt und an den Börsen auch während der Telefonkonferenz handeln. Kurz nachdem das Fixing beginnt, startet eine Handelswelle bei Gold-Derivaten, wie aus im September veröffentlichten Analysen hervorgeht. Vier von Bloomberg News interviewte Händler sagen, dass sei so, weil Händler und ihre Kunden Informationen aus den Gesprächen nutzen, um auf das Ergebnis zu wetten.

“Händler, die in diesen Preisfestsetzungsprozess involviert sind, haben Wissen, das für einen kurzen Zeitraum über den Kenntnissen anderer Personen liegt”, erläutert Thorsten Polleit, Chef-Ökonom bei Degussa Goldhandel in Frankfurt und früher Volkswirt bei Barclays. “Das ist ein großer Makel des Londoner Gold-Fixings.”

Die britische Hauptstadt ist laut London Bullion Market Association das weltweit größte Zentrum für Goldhandel. Nach den Daten des Verbands belief sich das tägliche Handelsvolumen dort 2012 auf über 33 Milliarden Dollar und überstieg damit die 29 Milliarden Dollar an Terminkontrakten, die Bloomberg-Daten zufolge an der New Yorker Rohstoffbörse Comex gehandelt wurden. Finanzinstrumente wie in bar abgewickelte Swaps und Optionen werden außerhalb des Londoner Fixings gepreist, wie aus der Website der LBMA hervorgeht.

In nichtöffentlichen Sitzungen hat die für die Regulierung von Derivaten zuständige U.S. Commodity Futures Trading Commission in diesem Jahr eine Überprüfung der Methodik für die Goldpreis-Festsetzung diskutiert, berichtet eine informierte Person. Die Überprüfung der FCA erfolge vorsorglich und sei keine formelle Untersuchung, sagt eine andere Person. Die Personen wollten nicht sagen, was geprüft wird oder ob die Aufseher ein Fehlverhalten vermuten.