Long-Short Wie funktionieren Long-short-Investments?

Long-Short: Investmentstrategie, die Anlegern nicht nur positive, sondern auch negative Marktentwicklungen, wie zum Beispiel sinkende Aktienkurse, zunutze macht. So lassen sich zusätzliche Chancen eröffnen, um über der Marktrendite liegende Ergebnisse zu erzielen | © seamartini/iStock

Long-Short: Investmentstrategie, die Anlegern nicht nur positive, sondern auch negative Marktentwicklungen, wie zum Beispiel sinkende Aktienkurse, zunutze macht. So lassen sich zusätzliche Chancen eröffnen, um über der Marktrendite liegende Ergebnisse zu erzielen Foto: seamartini/iStock

Dreimal lang, dreimal kurz. Mehrfach hintereinander gesendet, bezeichnet dies den internationalen Morse-Notruf SOS. Sowie ein Morsecode über zwei verschiedene Zustände definiert wird, nämlich kurz und lang, stehen im Finanzjargon die englischen Begriffe „long“ und „short“ für eine Investmentstrategie, die mittlerweile in verschiedenen Anlagekonzepten zum Einsatz kommt.

Ziel ist es dabei, nicht nur die Chancen auf Wertzuwächse beziehungsweise Erträge an den Kapitalmärkten zu erhöhen, sondern auch die Rückschlagrisiken eines Portfolios zu mindern. In einem Umfeld steigender Schwankungen an den Märkten und aufgrund der durch die Notenbankpolitik des extrem billigen Geldes wegbrechenden Zinsen suchen viele Anleger Orientierung und quasi ein rettendes Ufer, an dem sie mit ihrer Kapitalanlage wieder Geldverdienen können.

Anders als im Morsealphabet stehen die Begriffe „lang“ und „kurz“ beziehungsweise „long“ und „short“ in der Anlegersprache vielmehr für die Richtung, in die sich die Kurse von Wertpapieren entwickeln. Im klassischen Verständnis des aktiven Managements von Anlageportfolios sollen Anleger an steigenden Notierungen von Anlageinstrumenten wie zum Beispiel Aktien, Renten, Rohstoffe oder Währungen verdienen.

Mit anderen Worten: Man kauft zum Beispiel eine Aktie zu möglichst niedrigen Preisen und verkauft diese dann zu einem höheren Preis, um dementsprechend einen Veräußerungsgewinn zu realisieren. Der Anlageprofi spricht bei diesem Ansatz von einer „Long-Strategie“, wobei „long“ den Prozess steigender Kurse bezeichnet. Anlagestrategien, die sich gezielt der Erwirtschaftung von Wertzuwächsen durch steigende Kurse widmen, werden häufig „Long-only“ genannt.

Shortselling und Leerverkäufe: Wesentliche Regulierungsansätze auf europäischer und nationaler Ebene

Quelle: Bundesverband Alternative Investments

Nicht nur Buy and Hold

Lange Zeit waren Investmentkonzepte ausschließlich auf dieses Urverständnis der Kapitalanlage ausgerichtet. Mit „Buy and hold“, also „Kaufen und Liegenlassen“, ließ sich über Jahrzehnte fast nichts falsch machen, denn langfristig entwickelten sich Börsenkurse im Saldo stets nach oben.

„Seit Anfang des neuen Jahrtausends zeigen sich die Finanzmärkte aber weitaus unberechenbarer, nicht zuletzt durch die zunehmende Einflussnahme von Politik und Notenbanken. Viele klassische Managementansätze stoßen an ihre Grenzen“, erklärt James Clunie, Honorarprofessor im Bereich Finanzwissenschaft an der University of Edinburgh, der seit 1989 seine Erkenntnisse auch praktisch in die Investmentbranche einbringt.