Lorenzo Carcano: „Auch kleine Firmen haben Pricing Power“

Lorenzo Carcano, Manager des Metzler European Small- and Micro Cap Fonds

Lorenzo Carcano, Manager des Metzler European Small- and Micro Cap Fonds

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DAS INVESTMENT: Aktienfonds, die in europäische Werte investieren, flossen zuletzt wieder neue Mittel zu. Zeigt das eine allgemeine Trendwende?

Lorenzo Carcano:
Ich glaube nicht, dass dies schon der Fall ist. Viele Anleger haben europäische Aktien noch nicht wieder auf dem Zettel. Hauptgrund dafür ist die Staatsschuldenkrise in Europa, die etliche institutionelle Investoren, vor allem aus den USA, vor einem Engagement zurückschrecken lässt. Die Situation hat sich zwar zuletzt verbessert, dennoch sind viele Anleger offenbar immer noch unsicher und haben europäische Aktien in ihrer Allokation untergewichtet.

Und das ist aus Ihrer Sicht ein Fehler.

Carcano:
Genau. Die Fundamentaldaten für europäische Aktien zeigen ein positives Bild. Viele, vor allem kleine Unternehmen sind momentan gut aufgestellt: Seit der Finanzkrise haben sie ihre Bilanzqualität verbessert, Schulden ab- und Barbestände aufgebaut. Ein großer Teil der Unternehmen hat sogar mehr Kassebestand als Verschuldung in der Bilanz. Hinzu kommt: Europäische Unternehmen sind extrem niedrig bewertet. Dennoch werden die Werte häufig gemieden.

Also sollte man genauer hinschauen.

Carcano:
Ja, etliche Anleger machen den Fehler, Sektoren und Länder in Europa generell auszuklammern. Von Unternehmen in Staaten wie Griechenland, Portugal oder Spanien lassen viele grundsätzlich die Finger. Auch sind bestimmte Branchen wie Banken für sie pauschal nicht investierbar. Dabei gibt es durchaus Unternehmen mit guten Geschäftsmodellen in vermeintlich falschen Ländern. Entscheidend ist das Geschäftsmodell eines Unternehmens, nicht das Land, aus dem es stammt. Doch erst langsam fängt der Markt wieder an zu differenzieren.

Geben Sie ein Beispiel?

Carcano:
Da fällt mir etwa Pirelli ein. Der Reifenproduzent ist zwar in Italien beheimatet, doch er erwirtschaftet rund zwei Drittel des Ergebnisses bereits in den Emerging Markets. Pirelli ist ein gutes Beispiel eines Unternehmens, das international aufgestellt ist und nicht allein vom Binnenmarkt abhängt. In diesem Fall spielt das Herkunftsland nicht die entscheidende Rolle.

Sie managen zwei Fonds für europäische Nebenwerte. Wie gehen Sie bei der Suche nach geeigneten Titeln vor?

Carcano:
Wir sind Stockpicker. Das heißt, die Einzeltitelselektion ist für uns die wichtigste Alphaquelle. Das Team, neben mir bestehend aus Stefan Meyer und Stefan Dudacy, sucht in der Regel nach Champions, wie wir es nennen. Wir fokussieren uns dabei auf Nischen. Aus mittel- bis langfristiger Perspektive bieten sich aktuell zahlreiche Chancen für einen günstigen Einstieg in kleinere Unternehmen mit guten Wachstumsaussichten.

Zu den wichtigsten Qualitätskriterien für die Einzeltitelauswahl zählen stabile oder aussichtsreiche Geschäftsmodelle, gute Profitabilität und exzellentes Management mit überzeugender Strategie.

Das bringen große Werte aber auch mit.

Carcano:
Dennoch haben Nebenwerte gleich mehrere Vorteile, sowohl in struktureller als auch in zyklischer Hinsicht. Zunächst einmal gibt es bei Small und Mid Caps viel mehr Stockpicking-Möglichkeiten. Von den klassischen Blue Chips existieren – je nach Definition – nur mehrere Hundert.